Fahrt nach Haina am 16. September 2018

Als letztes Event im Allendorfer „Kultursommer“ stand unsere Fahrt zu den Klosterkonzerten in Haina auf dem Programm. Zunächst begann um 14.00 Uhr die Führung durch das Kloster.
Dieses ehemalige Kloster ist eines der wenigen original erhaltenen gotischen Zisterzienserkloster. 1188 gegründet, erwarb es durch Schenkungen, Kauf und Tausch reichen Grundbesitz zwischen Kassel und Frankfurt und gehörte zu den wohlhabenden mittelalterlichen Klöstern des Ordens.

Durch einen kleinen Eingang betraten wir einen schmucklosen Kirchenraum mit 75 m Länge und 20 m Höhe. Architektur und Ausstattung sind schlicht, wie es die Regeln der Zisterzienser fordern, lediglich die farbigen Fenster bilden hier eine Ausnahme. Interessant war die Chorschranke – eine Rarität in Deutschland. Sie trennte beim Gottesdienst die Priesterkaste von den Laienbrüdern.
Durch den Kreuzgang gelangten wir in einen wunderschönen Innenhof und von dort ins Refektorium, dem Speisesaal des Klosters, wo ein Gemälde des Malers Tischbein hing: „Christus auf dem Ölberg.“

Unser Führer tat sein bestes, um uns sein großes Wissen über die Kirchengeschichte und das karge Leben der Mönche zu vermitteln. Interessant wäre es allerdings auch gewesen, etwas über die heutige Nutzung des Klosters als Heilstätte sowie über den Maler Tischbein zu erfahren. Daher an dieser Stelle einige Infos:

1527 wurde das Kloster nach Einführung der Reformation durch Landgraf Philipp von Hessen aufgehoben. Ein großer Teil der klösterlichen Besitzungen Hainas wurde der im gleichen Jahr gegründeten Marburger Philipps-Universität übertragen, die somit die erste protestantische Universität der Welt war. Das Kloster wandelte Philipp in ein Landeshospital für arme Männer in seinem Land um. Ab dem 19. Jahrhundert war die Einrichtung Heil- und Pflegeanstalt. Heute wird das Krankenhaus von der VITOS GmbH in moderner und zeitgemäßer Form geführt und gliedert sich in 4 Abteilungen:
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Klinik für forensische Psychiatrie
Heilpädagogische Einrichtung –
Begleitender Psychiatrischen Dienst, vormals Wohn- und Pflegeheim.
Darüber hinaus verfügt Vitos Haina über eine eigene Bauverwaltung mit angegliederten Werkstätten.
Vitos beschäftigt ca. 1.000 Mitarbeiter

Un vom Maler Tischbein wollte mer ja auch was wisse:
In einem kleinen Haus an der Klostermauer lebte die Künstlerfamilie Tischbein. Am bekanntesten wurde der Goethe-Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, dessen Bild „Goethe in der Campagna“ wohl das bekannteste Goethebild ist. Es zeigt Goethe mit einem übergroßen Hut und einem weißen Gewand gekleidet vor einer römischen Landschaft sitzend. Angeblich soll es Tischbein für das Kloster gemalt haben – heute hängt es im Städel-Museum in Frankfurt. Unverkäuflich – unbezahlbar.
Das Hainaer Tischbein-Haus ist seit 2014 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich, weil zu wenig Besucher kamen. Gelegentlich präsentiert das Kloster Ausstellungen über die Malerfamilie Tischbein mit ihren 16 aktiven Künstlern.

Anschließend war „Kaffeetrinken“ angesagt. Unser Vorsitzender Herwig Stein hatte uns schon lange vorher im Klostercafe „Zum alten Amtshaus“ angemeldet, doch wenige Tage vor unserem Besuch kam die Absage. So mußte umdisponiert werden. Glücklicherweise konnten wir in der nahe gelegenen Pizzeria Brar einkehren, wo auch schon Kaffee und Kuchen für uns bereit stand. Und der gute Herr Magel von der Firma „Plus Bus Tours Lich“ fuhr mit seinem großen Bus die Fußkranken sogar bis zum Cafe.

Daran anschließend ging es zum eigentlichen Hauptgrund unseres Besuchs:
Sinfonisches Abschlusskonzert mit dem Marburger Kammerorchester unter Leitung von Jens Amend.
Wir hörten Werke u.a. von Joseph Haydn, Felix Mendelssohn-Bartholdy und W.A. Mozart.
Eine ungarisch-rumänische Cellistin mit dem unaussprechlichen Namen Csilla Cecskes Aved brachte einige Solostücke zu Gehör, welche mit viel Beifall belohnt wurde. Und natürlich gab es am Ende des 1 1/2stündigen Konzerts auch reichlich Applaus für das gesamte Orchester.

Glücklicherweise hatte Jens Amend in der vollen Klosterkirche die vorderen Bänke und mehrere bequeme Stuhlreihen im Querschiff für uns reserviert. Jens Amend ist mit dem Marburger Kammerorchester bzw. auch als Organist in der Vergangenheit mehrmals in der Allendorfer Kirche und im „Dom zu Rabenau“ aufgetreten.
Ein ereignisreicher Tag ging zu Ende und gegen 19.00 Uhr traten wir wieder die Heimreise an.
GS