Ehrung Johanna Muth für 30-jährige Tätigkeit als Theaterorganisatorin

Eine freudige Überraschung erwartete die Theaterfrauen des Kulturrings Allendorf bei der Vorstellung des neuen Programms für die Saison 2019/2020 im Foyer des Stadttheaters:
Die Intendantin Christine Miville ehrte Johanna Muth mit einem Blumenstrauß für ihre 30jährige Tätigkeit als Organisatorin der Theaterfahren. Auch die anderen Besucher zeigten sich beeindruckt von Johannes Engagement.

Villa Dolorosa – drei missratene Geburtstage im Stadttheater Gießen am Freitag, den 14. Juni 2019

Frei nach Tschechows „Drei Schwestern“ sahen wir im Stadttheater Gießen als letztes Schauspiel in dieser Saison im Großen Haus „Villa Dolorosa“, eine schwarze Komödie von Rebecca Kricheldorf, die Tschechows Figuren in die Gegenwart versetzt:

Die Schwestern Freudenbach – Irina, Mascha und Olga – feiern mal wieder Geburtstag. Sie leben mit Bruder Andrej in der maroden Familienvilla, verbrauchen ihr Erbe und langweilen sich. Während Olga wider Willen und ohne jegliches Interesse Direktorin ihrer Schule wird, wechselt Irina ihre Studienfächer genauso oft wie ihre Verehrern. Und Mascha ist unglücklich verheiratet, verguckt sich aber in verheirateten Freund ihres Bruders Andrej. Alle haben kein richtiges Ziel und sind nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen, um ihre Situation zu verbessern bzw. zu ändern. Ausnahme ist Janine, auf die die Schwestern wegen ihrer ärmeren Herkunft herabschauen: Im Gegensatz zu ihren Schwägerinnen ist sie fähig, etwas zu tun und gründet sogar eine Familie mit Andrej.

Ein interessantes Thema – schauspielerisch sehr gut in Szene gesetzt, allerdings war man am Ende auch der Meinung, dass EIN missratener Geburtstag ausgereicht hätte.

LA RESURREZIONE – Die Auferstehung am 30. Mai 2019 im Stadttheater Gießen

Oratorium von Georg Friedrich Händel | in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Im leider nicht ganz ausverkauften Theater sahen wir eine wundervolle Aufführung von Händels Oratorium über die die Auferstehung von Jesus Christus.
Der erste Teil spielt in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag, wobei ein Streit zwischen Engel und Teufel über Tod und Auferstehung im Vordergrund steht. Manche Szenen wurden so dargestellt, wie sie sich jeden Tag irgendwo zutragen könnten: eine Mutter (eine stumme Rolle) beklagt den Tod ihres erwachsenen Sohnes. Ebenfalls betrauert wird der Verstorbene von Giovanni, Maddalena und Cleofe (in der biblischen Überlieferung der Jünger Johannes, Maria aus Magdala und Maria – die Frau des Jüngers Kleopas).
Der schwarz gekleidete Satan bzw. Lucifero, darstellt von Bass-Bariton Grga Peroš, verkündet seine Freude am Tod des Verstorbenen und glaubt, die Heilsverkündung verhindert zu haben. Doch dann kommt ein Engel, trägt weiße modische Kleidung mit Glitzer im Haar. Er wird von weiteren Engeln begleitet; einer trägt sogar die Osterkerze. Der Engel „Angelo“ nimmt dem toten Jesus nicht nur die Dornenkrone ab, sondern prophezeit auch seine Auferstehung. Der aus Venezuela stammende Countertenor Samuel Mariño in der Rolle des Angelo gelangte mit seinen Koloraturen in atemberaubende Höhen. (Erst das Programmheft gab uns Auskunft darüber, dass es sich tatsächlich um einen Mann handelte).
Der zweite Teil steht ganz im Zeichen der Auferstehung. Giovanni, bereits in schwarzer Priesterkleidung als Vertreter des Christentums, tröstet die trauenden Frauen. Lichtstrahlen kündigen die Auferstehung Jesu an und die Trauer von Maddalena, Cleofe und den Jüngern verwandet sich in Freude. Lucifero muss seine Niederlage eingestehen und verschwindet in der Versenkung. Jesus selbst wird in der Aufführung nie als lebendiger Mensch gezeigt – nur die Projektionen zeigen ihn am Ende als „Auferstandenen“.
Nicht unerwähnt bleiben sollen die anderen Solisten: Francesca Lombardi Mazulli als Maddalena, sie haben wir bereits in Agrippina und Don Giovanni hören dürfen, Marie Seidler als Cleofe, die ebenfalls zum Gießener Ensemble gehört und als als Gast Aco Biscevic als Giovanni.
Der Orchestergraben war in dieser Inszenierung nicht so tief gesetzt und somit einsehbar für das Publikum.

Diese Aufführung des Oratoriums begeistert die Besucher des Theaters mit langanhaltendem Applaus!
Uraufführung von Händels LA RESURREZIONE war im Jahr 1708. Im Rom herrschte zu dieser Zeit ein päpstliches Verbot, Opern aufzuführen. Man betrachtete die Oper als lasterhaft und wollte mit dem Verbot die allgemeine Moral in Rom heben. Da behalfen sich die interessierten Kreise mit dem Trick, die Form der Oper mit geistlichen Inhalten zu erfüllen – als Oratorium.
In der ersten Aufführung sang die anspruchsvolle Partie der Maria Magdalena eine damals berühmte Sopranistin. Sofort intervenierte der Papst, da Frauen in geistlichen Werken nicht singen durften, sodass man die Künstlerin durch einen Kastraten ersetzten musste.
Die wunderbaren Arien der Maddalena hat Händel später in seiner Oper „Agrippina“ übernommen.

B

Bilder von Rolf K. Wegst

2. März Madame Butterfly, Oper von Giacomo Puccini im Staatstheater Kassel

1904 wurde in der Mailänder Scala Puccinis Oper „Madame Butterfly“ uraufgeführt:
Im Mittelpunkt der Geschichte, die in Nagasaki spielt, steht die Geisha Cio-Cio-San. Madame Butterfly“ wurde zur populärsten und meist gespielten Oper des italienischen Komponisten Giacomo Puccini (1858-1924). Weltweit gehört das Werk noch heute zu den beliebtesten Stücken der Opernliebhaber.
Kurzinhalt:
Der amerikanische Marine-Offizier Pinkerton hat sich in die 15-jährige Cio-Cio-San verliebt. Die beiden feiern eine Hochzeitszeremonie nach japanischer Sitte. Für den Amerikaner ist das Ganze eine unterhaltsame und exotische Affäre – für die junge Geisha Cio-Cio-San, genannte Butterfly (Schmetterling), ist es die große Liebe. Pinkerton muss wieder zurück in die USA und Cio-Cio-San wartet jahrelang sehnsüchtig auf seine Rückkehr.
Sie erzieht den gemeinsamen Sohn mit großer Liebe und erzählt dem heranwachsenden Kind viel vom Vater, der bald wieder kommen wird. Als sein Schiff ankommt ist Cio-Cio-San ist außer sich vor Freude über das Wiedersehen. Doch Pinkerton ist nicht alleine zurück nach Japan gekommen. Er hat seine amerikanische Frau mitgebracht und will sein Kind holen. Butterfly muss erkennen, dass er sie nur als Freudenmädchen betrachtet hat. Sie fühlt sich entehrt und gedemütigt und begeht mit dem Dolch ihres Vaters Harakiri. Die entscheidenden Worte, die sie vor ihrem Tod ausspricht, sind: „Ehrenvoll sterbe, wer nicht länger mehr leben kann in Ehren.“ Es ist die Inschrift auf dem Dolch ihres Vaters, der vor vielen Jahren ebenfalls den Freitod gewählt hat.
In Kassel erwartete uns eine etwas eigenwillige Interpretation dieser Oper.
Zunächst ein Zitat aus der Frankfurter Rundschau:
Bei der Kasseler Neuinszenierung von Giacomo Puccinis „Madame Butterfly“ wird diese Oper ziemlich dekonstruiert. Regisseur Jan-Richard Kehl macht daraus einen Opernabend über Traumatisierungen. Diesem Konzept fällt zwar die Handlungslogik zum Opfer, dafür ergeben sich aber spannende Einsichten.
Bitte, was???
Wenn man in eine Oper geht weiß man in der Regel mehr oder weniger vorher, um was es inhaltlich geht. Denn das gesungene Wort – ob in Deutsch oder Originalsprache – ist jeweils schlecht zu verstehen. Heutzutage gibt es ja oftmals eine Einführung vor Beginn der Oper, aber nicht um die Musik oder den Inhalt zu erklären, nein, die abstrusen fragwürdigen Einfälle der Regisseuren sollen dem geneigten Publikum näher gebracht werden. Einige wenige unserer Gruppe nahmen auch um 19.00 Uhr im Staatstheater an einer Einführung teil, und konnten daher auch dem seltsamen Geschehen auf der Bühne besser folgen. Der Pressefritz der FAZ hat wohl an keiner Einführung teilgenommen – er sprach von einer kryptisch schwer zu verstehenden fragwürdigen Aufführung. (Womit er recht hatte!)
Im Programmheft ist von einer Vermischung von Zeit und Geschichte die Rede. Die Figur der Madame Butterfly wird gedoppelt: einmal als Butterfly Cio-Cio-San und einmal als Butterflys Seele oder Geist, die als junge Frau in erster Linie körperlich präsent ist und stumm agiert, während die singende Cio-Cio-San in verschiedenen Lebensphasen erscheint –  zwischen eleganter amerikanischer Dame, als atomar verseuchte, gealterte Frau und als alte Frau mit Strickmütze und Pelzmantel.

An den wundervollen Stimmen gab es nichts zu kritisieren, allen voran die irische Sopranistin Celine Byrne als singende Butterfly Cio-Cio-San. Immerhin sprach der schwedische Dirigent Joakim Unander von einem gelungenen mutigen Konzept. Na gut.
Bei der Premiere sollen einige Zuschauer in der Pause gegangen sein und und am Ende habe es Buhrufe für den Regisseur gegeben. Ich wäre auch gegangen. Oder hätte die Augen geschlossen um nur Puccinis Musik zu lauschen.
Man spricht heutzutage in Deutschland bei den meisten Operninszenierungen von „Regietheater“, das heißt, es wird vom eigentlichen Werk abgelenkt, der Regisseur macht was er will, verlegt die Handlung willkürlich an andere Orte und in andere Zeiten – Sex, Blut und Crime inbegriffen. Und das, um zu provozieren und um Aufmerksamkeit zu erregen. Und die Musik? Keiner spricht von der wundervollen Musik, um die geht’s doch in erster Linie, oder?

Giuseppe Verdi wohnte zu Lebzeiten jeder Opernprobe bei und wenn seinen Anweisungen nicht befolgt wurden, klopfte er mit seinem Stock wütend auf die Bühne. Er würde sich im Grab umdrehen, wenn er seine „Aida“ als Putzfrau oder „Traviata“ als Domina erleben müsste.
Auch die „Carmen“ in Wiesbaden war schon sehr grenzwertig: als sich zu Beginn der Vorhang hob, dachte man zunächst, dies sei verfrüht, denn Herren im Blaumann und Damen in Leggins bevölkerten die Bühne. Aber ein, das waren Carmens Zigeuner!

Warum machen die Sänger das mit? Anna Netrebko, sonst nicht so zimperlich, hat die Zusammenarbeit vor einiger Zeit mit dem berühmt-berüchtigten Regisseure Hans Neuenfels in München verweigert – sie kann sich das leisten. Wagen das andere Akteure nicht?
Aber es gibt Hoffnung: es ist zu lesen, dass traditionelle Opernaufführungen wieder auf dem Vormarsch seien, dann mal los.
Das ist meine Meinung!
Gisela Schmiedel

Neujahrsvarieté der OVAG-Gruppe am 27. Januar 2019 in Bad Nauheim

Fast 100 Mitglieder des Kulturrings sahen auch in diesem Jahr wieder eine grandiose Vorstellung im historischen Jugendstil-Theater des Luxushotels DOLCE. Der Run auf die Karten zeichnete sich schon bald nach der ersten Veröffentlichung des Theaterprogramms ab: innerhalb von 4 Wochen waren die 45 bestellten Karten für das Varieté ausverkauft, sodass noch einmal nachbestellt werden musste Das Theater verfügt über 720 Sitzplätze und bietet 250 Quadratmeter Bühnenfläche. Im Bad Nauheimer Kurpark gelegen gehört das Dolce zur größten Hotelkette der Welt: Wyndham-Worlwide-Hotel Group USA und umfasst über 9.000 Hotels und 20 Hotelmarken, darunter bekannte Marken wie Ramada und TRYP-Hotels. Zwei Jahre lang firmierte das Hotel unter dem Namen Conparc Hotel & Conference Centre – es kehrte im vergangenen Jahr aufgrund komplizierter Eigentums- und Rechtsverhältnisse wieder zu seiner vorherigen Dachmarke „Dolce“ zurück .
Die Show war wieder einzigartig – eine faszinierende Darbietung. Ein außergewöhnlicher Mix aus atemberaubender Akrobatik und packender Unterhaltung brachten uns zum Staunen, Lachen und Zittern. 45 Artisten aus 14 Nationen zeigten während des gut dreistündigen Programms ihre Kunst.
Am Ende gab es lang anhaltenden Beifall und stehende Ovationen, als sich die Künstler alle noch einmal vor dem begeisterten Publikum verneigten.
Folgende Künstler/innen traten in diesem Jahr auf:
– Strahlemann & Söhne – Tempogeladene Partner-Jonglage
– Romina Micheletty -Verblüffende Balance
– X-treme Brothers – Hand-auf-Hand-Akrobatik.
– Sven & Jan Waghalsige Rollschuh-Artistik.
– Duo Yingling – Poetische Antipoden-Akrobatik.
– The Jasters – Messerwer
– Daniel Diorio’s Splitglobe – Fahrt in der offenen Motorrad-Kugel.
– Black Blues Brothers aus Kenia – rasante Akrobatik-Performance z
– Katrin Weißensee (Deutschland)Sandmalerei
– Alessio Fochesato – Unglaubliche Papageien-Dressur.
– Nguyen Thi Thu Hiep & Ma Hoang An – Trapezkünstler in schwindelerregender Höhe

Am Ende gab es lang anhaltenden Beifall und stehende Ovationen, als sich die Künstler alle noch einmal vor dem begeisterten Publikum verneigten.

Hurra, hurra der Pumuckl war da

haben wir am Sonntag, den 11.11.2018 im Stadttheater Gießen gesehen.

Wir hatten unseren Spaß mit diesem rothaarigen Wirbelwind. Die Fernsehserie mit Pumuckl und dem Schreinermeister Eder, in dessen Münchener Werkstatt der kleine Nachfahre der Klabautermänner gestrandet ist, begeisterte vor gut 40 Jahre jung und alt.  Das Musical beinhaltet 3 Geschichten aus der TV-Serie: »Spuk in der Werkstatt« (die erste Folge der TV-Serie), »Das Schlossgespenst« und »Der große Krach« . Es war eine gelungene Idee des Theaters, den Pumuckl zu verdoppeln: ist Pumuckl sichtbar, und das bekannterweise ja nur für Meister Eder, verschmilzt der Darsteller mit einer von ihm geführten großen Handpuppe, die sofort verschwindet, wenn Besucher kommen.


Dann sorgt der kleine freche Kobold für manchen Schabernack zwischen den Sägespänen und der verblüfften Nachbarschaft. „Spahn oder nicht Spahn, das wird bald die Frage“, sagte er zum Beispiel und sprang in die gerade zusammengefegten Sägespäne. Tom Schimon spielte den liebenswerten Pumuckl so überzeugend, dass man tatsächlich auch noch Mitleid mit dem kleinen Kerlchen bekam, als als er vom vielen Pflaumenessen Bauchweh bekam und – „Pups“ – herzergreifend nach seinem „Meister Ederer“ rief, der ihm auch gleich eine Wärmflasche auf sein Bäuchlein legte. Aber die nächsten Streiche ließen nicht lange auf sich warten. „Ich bin der Edle Pu von Muckl“ sang er und stibitzte heimlich wieder die Utensilien von Eders Kundschaft.
Als es Meister Eder dann doch zuviel wurde, schmiss er den Pumuckl aus seiner Werkstatt, um ihn kurz darauf wieder schmerzlich zu vermissen. Und tatsächlich schlich sich hier und da ein Tränchen in die Augen der Zuschauer, der sich kleine Klabautermann todtraurig auf die Suche nach einem anderen Schreinermeister machte. Aber Ende gut – alles gut: reumütig holte der Meister Eder seinen geliebten Pumuckl wieder zurück und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Der Bariton Tomi Wendt, langjähriges Ensemblemitglied des Gießener Theaters, spielte überzeugend den grantigen Meister Eder. Als Münchner dürfte ihm der bayerische Dialekt keine Schwierigkeiten bereitet haben.
Tom Schimon verbrachte eine Glanzleistung als Pumuckl, wenn er mit einer großen Handpuppe auf einem Bürostuhl umher flitzt, um seinen Schabernack zu treiben. Das war so clever gemacht, dass man manchmal nicht wusste, wem die Beine gehören, auf denen der Pumuckl herumtollte: zum Schauspieler oder zur Puppe. Dazu musste Tom Schimon ja auch noch ständig die Puppe entsprechend bewegen und mit Koboldstimme sprechen. Und wie es sich für ein Musical gehört: er muss auch singen zur Dicken-Backen-Musik aus dem Orchestergraben. „Kobold-Tenor“ nannte Tom Schimon die Stimmlage.

Am Staatstheater Kassel haben wir Tom Schimon übrigens in einer Hauptrolle („Riff“ – Anführer der Jets) in dem Musical „West Side Story auf der Bühne erlebt. Andreas Kowalewitz, der Dirigent dieses Musicals hat dieses auch bei der Uraufführung am Münchener Gärtnerplatztheater dirigiert.
Der Pumuckl war gut –
Danke an Frau Muth
die alles organisieren tut.
Das reimt sich und was sich reimt, ist gut. Sagt der Pumuckl.
Ein Kinderstück – ja , aber 57 Erwachsene haben sich auch köstlich amüsiert in diese grandiose Vorstellung.
GS


Mala Vita – Giordano trifft auf Gesualdo – Oper von Umberto Giordano im Stadttheater Gießen

Sonntag, 14.10.2018

Wie in jedem Jahr, so hat auch in diesem Jahr die Intendanz wieder eine selten gespielte Oper auf dem Spielplan: Mala Vita – Giordano trifft auf Gesualdo. Umberto Giordano, den Komponisten der Oper kennen wir. Seine schöne und berühmte Oper Andrea Chenier haben wir vor 10 Jahren bereits in Gießen gesehen. Aber wer ist Gesualdo? Don Carlo Gesualdo da Venosa, geb. 1566, also 300 Jahre vor Giordano, war ein italienischer Fürst und Komponist – und Mörder!
Interessante Geschichte: Er erdolchte in seinem Palast in Neapel seine Frau und ihren Liebhaber. Auch die kleine Tochter – Vaterschaft unklar! – mußte sterben. Ehrenmorde unter Adligen wurden damals nicht gesühnt, trotzdem floh Gesualdo um der Rache der Familien zu entgehen. 1591 trat er sogar die Nachfolge seines Vaters als Fürst von Venosa an. 1594 heiratete er erneut und verbrachte mit seiner zweiten Ehefrau zwei Jahre in Ferrara. In dieser Zeit entstand vermutlich ein Großteil seiner Kompositionen. Danach zog er sich erneut auf sein Schloss zurück. Nachdem 1600 das einzige Kind aus seiner zweiten Ehe gestorben war, verstärkten sich Gesualdos Depressionen und er wandte sich der Komposition von geistlicher Musik zu.

Diese erste Vorstellung in der Theatersaison 2018/2019 sahen wir am Sonntag, den 14.10.2018 im Gießener Theater. Wir erlebten eine wunderbare Aufführung mit herrlichen Stimmen. In der Rolle des Färbers Vito debütierte der Tenor Deniz Yilmaz am Stadttheater. Ebenfalls zum ersten Mal ist Angela Davis als Cristina in Gießen zu erleben. In weiteren Rollen hörten wir Grga Perso, Florian Spies und Marie Seidler sowie den stimmgewaltigen Chor und Extrachor des Stadttheaters.

Die Handlung spielt in den Slums von Neapel.
Der Färber Vito hat in einem Gebet geschworen, eine Prostituierte zu heiraten, wenn er von der Tuberkulose geheilt wird. Vor einem Bordell begegnet er der Prostituierten Cristina, erklärt ihr seine Liebe und verspricht, sie zu heiraten. Ganz nebenbei unterhält er aber auch eine Beziehung mit der verheirateten Amalie, deren Ehemann ebenfalls ein Freier Cristinas ist. Amalia versucht vergeblich, Cristina von einer Heirat mit Vito abzubringen. Als es Amalia gelingt, Vito erneut zu verführen, schickt dieser die verzweifelte Cristina wieder in ihr Bordell zurück.
Die Kurz-Oper wurde erweitert durch eingefügte Madrigale von Carlo Gesualdo, die von einem sechsstimmigen Chor vorgetragen wurden. In den Renaissance-Kostümen bildeten die Sänger des Gesualdo-Ensembles auch optisch einen deutlichen Kontrast zu der Garderobe der Opernfiguren im italienischer Chic der 60er Jahre.
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Fahrt nach Haina am 16. September 2018

Als letztes Event im Allendorfer „Kultursommer“ stand unsere Fahrt zu den Klosterkonzerten in Haina auf dem Programm. Zunächst begann um 14.00 Uhr die Führung durch das Kloster.
Dieses ehemalige Kloster ist eines der wenigen original erhaltenen gotischen Zisterzienserkloster. 1188 gegründet, erwarb es durch Schenkungen, Kauf und Tausch reichen Grundbesitz zwischen Kassel und Frankfurt und gehörte zu den wohlhabenden mittelalterlichen Klöstern des Ordens.

Durch einen kleinen Eingang betraten wir einen schmucklosen Kirchenraum mit 75 m Länge und 20 m Höhe. Architektur und Ausstattung sind schlicht, wie es die Regeln der Zisterzienser fordern, lediglich die farbigen Fenster bilden hier eine Ausnahme. Interessant war die Chorschranke – eine Rarität in Deutschland. Sie trennte beim Gottesdienst die Priesterkaste von den Laienbrüdern.
Durch den Kreuzgang gelangten wir in einen wunderschönen Innenhof und von dort ins Refektorium, dem Speisesaal des Klosters, wo ein Gemälde des Malers Tischbein hing: „Christus auf dem Ölberg.“

Unser Führer tat sein bestes, um uns sein großes Wissen über die Kirchengeschichte und das karge Leben der Mönche zu vermitteln. Interessant wäre es allerdings auch gewesen, etwas über die heutige Nutzung des Klosters als Heilstätte sowie über den Maler Tischbein zu erfahren. Daher an dieser Stelle einige Infos:

1527 wurde das Kloster nach Einführung der Reformation durch Landgraf Philipp von Hessen aufgehoben. Ein großer Teil der klösterlichen Besitzungen Hainas wurde der im gleichen Jahr gegründeten Marburger Philipps-Universität übertragen, die somit die erste protestantische Universität der Welt war. Das Kloster wandelte Philipp in ein Landeshospital für arme Männer in seinem Land um. Ab dem 19. Jahrhundert war die Einrichtung Heil- und Pflegeanstalt. Heute wird das Krankenhaus von der VITOS GmbH in moderner und zeitgemäßer Form geführt und gliedert sich in 4 Abteilungen:
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Klinik für forensische Psychiatrie
Heilpädagogische Einrichtung –
Begleitender Psychiatrischen Dienst, vormals Wohn- und Pflegeheim.
Darüber hinaus verfügt Vitos Haina über eine eigene Bauverwaltung mit angegliederten Werkstätten.
Vitos beschäftigt ca. 1.000 Mitarbeiter

Un vom Maler Tischbein wollte mer ja auch was wisse:
In einem kleinen Haus an der Klostermauer lebte die Künstlerfamilie Tischbein. Am bekanntesten wurde der Goethe-Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, dessen Bild „Goethe in der Campagna“ wohl das bekannteste Goethebild ist. Es zeigt Goethe mit einem übergroßen Hut und einem weißen Gewand gekleidet vor einer römischen Landschaft sitzend. Angeblich soll es Tischbein für das Kloster gemalt haben – heute hängt es im Städel-Museum in Frankfurt. Unverkäuflich – unbezahlbar.
Das Hainaer Tischbein-Haus ist seit 2014 nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich, weil zu wenig Besucher kamen. Gelegentlich präsentiert das Kloster Ausstellungen über die Malerfamilie Tischbein mit ihren 16 aktiven Künstlern.

Anschließend war „Kaffeetrinken“ angesagt. Unser Vorsitzender Herwig Stein hatte uns schon lange vorher im Klostercafe „Zum alten Amtshaus“ angemeldet, doch wenige Tage vor unserem Besuch kam die Absage. So mußte umdisponiert werden. Glücklicherweise konnten wir in der nahe gelegenen Pizzeria Brar einkehren, wo auch schon Kaffee und Kuchen für uns bereit stand. Und der gute Herr Magel von der Firma „Plus Bus Tours Lich“ fuhr mit seinem großen Bus die Fußkranken sogar bis zum Cafe.

Daran anschließend ging es zum eigentlichen Hauptgrund unseres Besuchs:
Sinfonisches Abschlusskonzert mit dem Marburger Kammerorchester unter Leitung von Jens Amend.
Wir hörten Werke u.a. von Joseph Haydn, Felix Mendelssohn-Bartholdy und W.A. Mozart.
Eine ungarisch-rumänische Cellistin mit dem unaussprechlichen Namen Csilla Cecskes Aved brachte einige Solostücke zu Gehör, welche mit viel Beifall belohnt wurde. Und natürlich gab es am Ende des 1 1/2stündigen Konzerts auch reichlich Applaus für das gesamte Orchester.

Glücklicherweise hatte Jens Amend in der vollen Klosterkirche die vorderen Bänke und mehrere bequeme Stuhlreihen im Querschiff für uns reserviert. Jens Amend ist mit dem Marburger Kammerorchester bzw. auch als Organist in der Vergangenheit mehrmals in der Allendorfer Kirche und im „Dom zu Rabenau“ aufgetreten.
Ein ereignisreicher Tag ging zu Ende und gegen 19.00 Uhr traten wir wieder die Heimreise an.
GS

Samstag, den 11. August 2018 Freilichtbühne Hallenberg: My fair Lady

Aufgrund der großen Nachfrage fuhren wir auch hier mit 2 Bussen nach Hallenberg. Das diesjährige Erwachsenenstück „My fair Lady“ war wieder ein voller Erfolg. Szenenapplaus, Gelächter, Mitsummen bei den bekannten Songs und witzige Kommentare.

Wir haben uns köstlich amüsiert. Es gab mehrmals Szenenapplaus und am Ende Standing Ovation für die tollen Akteure.

Viele konnten sich noch an die Filmfassung mit Paul Hubschmid in der Rolle des Professor Higgins erinnern. Dieser wettet mit Oberst Pickering, dass er aus dem Blumenmädchen Eliza durch Sprach- und Benimmunterricht eine vornehme Lady machen kann.

Fast alle Lieder sind Gassenhauer geworden: „Es grünt so grün“, „Mit ´nem kleenen Stückchen Glück“, „Ich hätt´getanz heut´ Nacht“ und viele andere. Bis zum Happy End gibt es noch zahlreiche Verwicklungen und Missverständnisse.

Da unsere „Stammkneipe“ Der wilde Zimmermann an diesem Tag keine 75 Personen bewirten konnte, speisten wir erstmals im Anschluss an die Vorstellung im „Sauerländer Hof“, den uns Frau Lich empfohlen hatte. Eine Speisekarte zur Vorbestellung für das Abendessen hatte Herr Stein bereits im Bus ausgegeben.

Carmina burana von Carl Orff in der Rittal Arena Wetzlar am 25.5.2018

Das war wieder mal eine Vorstellung der Extra-Klasse. Im besonderen Ambiente der Rittal-Arena hörten wir Chor und Extrachor des Stadttheaters Gießen, den Gießener Konzertverein, die Wetzlarer Singakademie sowie die Frankfurter Singakademie – ein gewaltiges Klangereignis mit über 200 Sängern. Es spielte das Philharmonische Orchester Gießen mit seinen rund 60 Instrumentalisten. Die musikalische Gesamtleitung hatte Jan Hoffmann.

Als Solisten hörten wir:

Sopran: Antje Bitterlich

Tenor: Clemens Kerschbaumer

Bariton: Grga Peros

Mit seiner szenischen Kantate CARMINA BURANA aus dem Jahr 1937 schuf Orff ein monumentales Werk für Chor, Solisten und Orchester. Die mittelalterliche Handschrift aus dem 12. Jahrhundert stammen zwar aus dem Kloster Benediktbeuern, beinhalten aber keineswegs kirchliches Liedgut.

Jeder der drei Gesänge hat ein eigenes Thema. Die Lieder werden zum Teil in alter deutscher

Sprache und in Latein gesungen. Es beginnt mit einem gewaltigen Chor zu Ehren der Schicksalsgöttin Fortuna und ihrer Macht. Alles dreht sich dann um die Lebensfreude

Der zweite Teil ist die Schilderung eines derben, mittelalterlichen Saufgelages. Im letzten Gesang stehen Liebe und Sehnsucht im Mittelpunkt.

Mit lang anhaltenden stehenden Ovationen belohnten die rund 1400 Zuhörer die grandiose Vorstellung. Wir waren alle begeistert, so eine tolle Aufführung hatten wir lange nicht mehr erlebt.

Es war das dritte städteübergreifende Projekt des Gießener Theaters nach Verdis „Requiem“ 2013 und Felix Mendelssohn-Bartholdys „Elias“ 2016.

GS

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