Kultur

„Dolce“ in Bad Nauheim

Foto: Gisela Schmiedel

Besuch des Kulturrings des Neujahrsvarietes im „DOLCE“ in Bad Nauheim am Dienstag, den 24.01.2017. Im Bad Nauheimer Kurpark befindet sich das Luxushotel „Dolce“. Schauplatz des Neujahrs-Varietés ist das historische Jugendstil-Theater mit 730 Sitzplätzen und 250 qm Bühne. Nachdem es im Jahr 1980 bis auf die Grundmauern abgebrannt war, wurde es im Jugendstilcharakter wieder aufgebaut. Seither gilt es als eines der schönsten hessischen Theater.

Da sich für diese Fahrt über 80 Mitglieder angemeldet hatten, mussten wir zum ersten Mal mit zwei Bussen der Firma Plus-Bus Tours zur Abendvorstellung anreisen. Der Run auf die Karten zeichnete sich schon bald nach der ersten Veröffentlichung des Theaterprogramms 2016/2017 im vorigen August ab: innerhalb von 4 Wochen waren die 45 bestellten Karten für das Variete ausverkauft, sodass noch einmal nachbestellt werden musste.

Dieses internationale Neujahrs-Varieté des Energieversorgers OVAG hat im „Dolce“ bereits Tradition: Zum 15. Mal hebt sich im Januar 2017 um 20.00 Uhr der Vorhang für einen einzigartige Mix aus atemberaubender Akrobatik und fantastischen Shows. 45 Artisten aus 12 Nationen bringen die Theater-Besucher zum Staunen, Bangen und Lachen. Nur die besten Künstler werden verpflichtet und die Show ist jeweils lange vorher ausgebucht.

Was uns dort geboten wurde, war ein Highlight der Extraklasse. Solch sensationelle Aufführungen kennt man meist nur aus dem Fernsehen. Uns stockte so manches Mal der Atem bei den tollkühnen Sprüngen und Saltos.  

Viele der Künstler sind bereits beim berühmten Zirkusfestival in Monaco aufgetreten sowie  im größten Zirkus der Welt Barnum and Bailey. Die drei Stunden Weltklasse-Varieté vergingen wie im Flug, so kurzweilig erschien es uns.  Durch das Programm führten die CHICKS ON SWING, drei junge Damen, die uns auch mit Gesangs- und Tanzeinlagen unterhielten.

Zu Beginn der Vorstellung zeigten 8 junge Männer, das ungarische FACE-TEAM, eine artistische Basketball-Leistung, die olympiareif ist. In einem Affenzahn katapultieren sie sich mittels eines Trampolins in die Luft und versenkten den Ball im Korb. Seit ihrem Sieg in der englischen Fernseh-Show „Britain´s Got Talent“ –  dem Pendant zum „Supertalent“ von RTL –  gehören sie zur Weltspitze.

Der Comedy-Jongleur  STEVE ELEKY aus Ungarn gab im ersten Teil im Schottenrock eine Jongleur-Nummer mit skurrilen Witzen zum Besten gibt. Später betrat er als Zauberer die Bühne, der – sich halb totlachend – den Zuschauern seine Zaubertricks verträt. Auch wir mussten uns so manche Lachträne aus den Augen wischen. Steve Eleky vertritt an 4 Tagen im Januar den  weltberühmten Clown, Magier und Comedian Housch-ma-Housch aus der Ukraine.

Eine der wenigen deutschen Künstler war der Einradartist TONY FARELLO aus Berlin. Er zeigte eine rasante Einradshow. Seine ebenfalls Einrad fahrende  Partnerin Frau Schmidt aus Radebeul  war anscheinend erkrankt, so agierte als „ Beischläfer“ die Putzfrau aus der Uckermark.

Die BIANCA FARLA´s SHOWGIRLS OF MAGIC  zeigten erstaunliche Tricks – vor unseren Augen verschwanden die Frauen ins Nichts. Dem Frauen-Quartett aus den Niederlanden wurden von dem  Magier David Copperfield Aufführungsrechte für einige seiner Illusionsnummern eingeräumt.

Danach folgte der Ausnahmeartist  ENCHO KERYAZOV. Der Bulgare machte u.a. einen Handstand auf 2 dünnen Metallstangen, die auf einer Reihe von wackligen Backsteinen auf seinem Showtisch standen,  bevor er mit einem Salto wieder auf die Bühne sprang.

Hoch hinaus ging es mit den 10 rumänischen Artisten der TROUPE FANTASY. Sie zeigten spektakuläre Sprünge vom Schleuderbrett aus. Wir hielten den Atem an, als sie fast bis an die Decke katapultiert wurden. Nach  Schrauben und Überschlägen landen sie dann wieder auf den Schultern der Fänger.

Die zierliche Italienerin SHIRKLEY LARIBLE zeigte eine Übung, die viel Kraft kostete. An zwei langen Bändern schwebte sie elegant in die Höhe und zeigte verschiedene Figuren. Sie dreht sich ein, lässt sich fallen und hangelt sich wieder hoch.  Die Luftakrobatin hat Engagements im Zirkus Roncalli und im Zirkus Knie.

Nach der Pause ging es weiter mit der waghalsigen Show des DUO`s VANEGAS aus Kolumbien.  Scheinbar mühelos sprangen und liefen  die Artisten auf einem sich drehenden „Todesrad“ in  12 Metern Höhe. Die hohen Absprünge und scheinbaren Beinahestürze sorgten bei den Zuschauern für Nervenkitzel.

Den nächsten Auftritt hatten die GIANG BROTHERS aus Vietnam. Atemlose Stille herrschte, als die beiden Brüder Kopf-auf-Kopf vorwärts und rückwärts einige Treppenstufen zum Showtisch emporstiegen. Sie haben es ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft, als sie vor einer spanischen Kathedrale Kopf auf Kopf 99 Stufen innerhalb von 52 Sekunden hinaufgestiegen sind.  

Das TRIO BELLISSIMO  – Schlangenmenschen. Drei anmutige junge Frauen aus Kiew formten mit ihren Körper immer wieder neue menschliche Skulpturen, so dass man allein vom Zuschauen schon Schmerzen bekam. Mit Eleganz und Grazie bewegen sich die drei so anmutig und verbiegen dabei ihre Körper, als ob sie Knochen aus Gummi hätten.

Großes Erstaunen löste auch das DUO URUNOV aus Russland aus. Wie von Zauberhand wechselte die Dame in sekundenschnelle ihre Kleider. Von einer Sekunde auf die nächste steht sie im neuen Dress da, und sorgte so im Publikum für ungläubige Blicke. Wir waren verblüfft – wie kann das sein?! Ihre Tochter LAURA URUNOVA beeindruckte mit einer Hundedressur: Pudel unterschiedlicher Größe brachten mit ihren Tricks die Zuschauer zum Schmunzeln.

Aus Ecuador kamen die 4 CEDENOS. Sie  zeigten eine der schwierigsten artistischen Disziplinen überhaupt, indem sie sich gegenseitig durch die Luft wirbeln. Dem Publikum stockt kurz der Atem, als einer der Cedeños-Brüder stürzt – doch alles gut, es ist nichts passiert,  wobei das auch durchaus gewollt sein kann. Als ob es nicht Nervenkitzel genug gäbe!

Der chinesische Artist KAI CAO  jonglierte mit unglaublicher Geschwindigkeit mit seinen Bällen. Während er dazu auch noch treppauf  und treppab steppte, jonglierte er mit den Bällen auf dem Boden, dabei nahm die Anzahl der Bälle ständig zu, genauso wie die Geschwindigkeit.

Am Ende gab es lang anhaltenden Beifall und stehende Ovationen, als sich die Künstler alle noch einmal vor dem begeisterten Publikum verneigten.

Übrigens:
Das Hotel „Dolce” wird zu “Conparc Hotel & Conference Centre Bad Nauheim” umbenannt. Aufgrund komplizierter Eigentümerverhältnisse und Rechtsbeziehungen darf der Name „Dolce“ ab 2017 nicht mehr verwendet werden. Die Wyndham-Worldwide-Hotel Group aus den USA, zu der das „Dolce“ gehört, hatte diesen Markennamen erworben und nun weiterverkauft. Es ist also nicht das Hotel verkauft worden sondern nur der Markenname „Dolce“. Ob dieser Name bald durch »Wyndham« ersetzt wird, ist noch nicht entschieden. Die Wyndham-Worldwide-Hotelgruppe zählt mit  ihren rund 6500 Hotels weltweit zu den größten Hotelkonzernen der Welt, darunter auch die Ramada-Hotels.

Fotos: Gisela Schmiedel

Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach

Foto: (gemeinfrei) Johann Sebastian Bach

Überpünktlich trafen wir am Mittwoch, den 7. Dez. 2016 in der katholischen Kirche St. Walpurgis ein. Während wir noch einige Minuten in dem kalten Vorraum der Kirche ausharren mussten, konnten wir den Dirigenten Jan Hoffmann beobachten, der noch letzten Schliff an Chor und Orchester legte.

Eine freundliche Mitarbeiterin der Wetzlarer Singakademie hatte für die fast 50 Mitglieder des Kulturrings die vorderen Bänke reserviert.  Das Weihnachtsoratorium ist ein sechsteiliges Oratorium für Solisten, gemischten Chor und Orchester. Das gesamte Werk kommt selten zur Aufführung, sondern hauptsächlich die ersten drei Kantaten, die Bach für die Weihnachtsgottesdienste komponiert hat.

„Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage“, mit Pauken und Trompeten begann das bekannte Chorwerk. Die Verkündigung der Weihnachtsgeschichte wurde uns in feierlichen Chorälen und Arien zu Gehör gebracht. Unter der musikalischen Gesamtleitung von Jan Hoffmann spielte das Philharmonische Orchester des Stadttheaters Gießen. Im Mittelpunkt stand ein Riesenchor – bestehend aus dem Chor des Stadttheaters, dem Gießener Konzertverein sowie der Wetzlarer Singakademie.  Nicht wenige der Choräle kamen uns bekannt vor: Johann Sebastian Bach greift in seinem Oratorium auf Texte und Kompositionen von Paul Gerhard und auf  Martin Luther zurück.

Die Solisten waren der Bassbariton Simon Bailey, Ensemblemitglied der Oper Frankfurt und Gastsänger an der Mailänder Scala, Naroa Intxausti, die bis zur vorigen Spielzeit dem Gießener Ensemble angehörte, sowie die beiden neuen Sänger am Stadttheater Clemens Kerschbaumer und Maria Seidler.

Das Publikum war begeistert, es erlebte eine Sternstunde der Kirchenmusik. Nach dem letzten Takt des Weihnachtsoratoriums verklungen war, standen die Besucher in der vollbesetzten Kirche auf und spendeten Chor, Orchester und Solisten lang anhaltenden Beifall.

Romulus der Große

Romulus der Große

Romulus der Große

Am Samstag, den 19.11.2016 sahen wir eine wahrhaft unhistorische Komödie von Friedrich Dürrenmatt. Da thronte Kaiser Romulus meist auf seiner Hühnerleiter und interessierte sich nur für die Legegewohnheiten seiner kaiserlichen Hühner. Eingehende Meldungen über den Einmarsch der Germanen oder dem drohenden Staatsbankrott interessierten ihn nicht. Er sehnte sich vielmehr danach, die grausame Vergangenheit seines Imperiums hinter sich zu lassen und lässt die verzweifelten Appelle seiner Getreuen, den Germanen Einhalt zu gebieten, unbeachtet.

Seine Tochter Rhea will sogar ihren Geliebten verlassen um den reichen Hosenfabrikanten Cäsar Rupf – unschwer als Donald Trump zu erkennen – heiraten, damit dieser mit seinen Millionen das Reich retten kann. Doch Romulus weicht nicht von seinem Verständnis für Gerechtigkeit ab, der findet die Liebe zu einem Menschen sei wichtiger als die Liebe zum Vaterland.

Nachdem der erste Akt ziemlich schrill und voller Klamauk war, wurde im zweiten Akt verständlich, um was es Kaiser Romulus letztendlich ging. Durch sein politisches Nichtstun will er „dem blutigen und mörderischen Imperium“ ein Ende bereiten. „Rom kannte die Menschlichkeit, aber es wählte die Tyrannei« war einer von vielen Sätzen die zum Nachdenken anregten.

Aber die Rechnung des Kaisers geht nicht auf: Als die Germanen schließlich ankommen, muss er einsehen, dass der Germanenfürst Odoaker ein ebenso kriegsmüder Herrscher ist wie er: „Heldentum langweilt mich zum Tode“. Und nicht nur das, den beiden gemeinsam ist auch noch das Hobby „Hühnerzucht“. Zu guter letzt führt Odoaker auch noch dem staunenden Romulus die neueste Mode der Germanen, die Hose samt Hosenträgern, vor. Romulus’ Plan zur Vernichtung des Imperiums scheitert, er wird in Pension geschickt.

Neben dem Erfolgsstück „Besuch der alten Dame“ von Dürrenmatt ist „Romulus der Große“ eher weniger bekannt. Zu Unrecht, finden sowohl Dramaturgin Cornelia von Schwerin als auch die Gastregisseurin Astrid Jacob, die als ehemalige Kabarettistin der Lach- und Schießgesellschaft auch schon für die „Die Schmachtigallen“ die Revuen COMEDIAN HARMONISTS, MANNSBILDER und FRAUENFLÜSTERER inszenierte.

Fotos: Rolf K. Wegst, mit freundlicher Genehmigung des Stadttheaters Gießen

Altstadtbesichtigung Alsfeld

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Das Rathaus von Alsfeld

Am 24. Juni besuchten wir die historische Fachwerkstadt Alsfeld. Wir starteten um 12.30 Uhr in Staufenberg und nahmen anschließend in Treis, Allendorf und Londorf die dortigen Mitreisenden auf. Entgegen unserer Befürchtung kamen wir auf der Autobahn flott voran und wurden nicht durch die am Freitag üblichen Stauungen auf der A5 aufgehalten, wir hatten in Alsfeld keinen Gewittersturm, sondern strahlenden Sonnenschein und entsprechend sommerliche Temperaturen.

Auf dem Marktplatz wurden wir dann von den beiden Mitarbeiterinnen des Tourist Center Alsfeld, Frau Becker und Frau Wagner begrüßt. Von hier machten wir uns in zwei Gruppen auf den Weg zur Altstadtführung durch den historischen Stadtkern von Alsfeld. Während der Altstadtführung informierten uns die beiden Damen durch interessante und kurzweilige Erklärungen über die Bedeutung der verschieden prächtigen Häuser die wir während unserer Führung gesehen bzw. besichtigt haben.

Insbesondere ist hierbei das Weinhaus aus dem Jahre 1538 zu erwähnen an dessen Ecke zum Marktplatz der Pranger angebracht war. Einer der Teilnehmer aus unserer Gruppe musste erleiden dass ihm der an dem Haus befestigte Halsring angelegt wurde und er somit am Pranger stand. Weiter ging die Führung zum Hochzeitshaus, ein Tanz- und Festhaus aus dem Jahre 1564 und dem Stumpfhaus, ein prächtiges Haus am Marktplatz an dessen Ecke sich der Besitzer des Hauses am Eckbalken in einer Schnitzerei verewigen ließ und somit auch über seinen Tod hinaus, auf den Alsfelder Marktplatz blicken kann. Der Besuch der Walpurgiskirche aus dem 13. Jahrhundert war wegen der hier herrschenden kühlen Temperaturen eine willkommene Rast um der draußen herrschenden Hitze zu entgehen.

Zum Schluss hatten wir dann Gelegenheit, im Rathaus auf der engen Wendeltreppe zum Sitzungssaal des Magistrats sowie zum Trauzimmer hinaufzusteigen. Hier wurden wir dann über die historische Entwicklung des in diesem Jahr 500 Jahre alten Rathauses informiert. Gleichzeitig endete hier auch die Alstadtführung. Jetzt konnten die Teilnehmer die verbleibende Zeit bis Rückfahrt um für einen ausgiebigen Stadtbummel oder auch für einen Besuch in einem der zahlreichen Lokale, insbesondere im Biergarten nutzen. Zahlreiche Teilnehmer fanden auch den Weg in das in unserer Region geradezu einmalige Kaufhaus „ Ramspeck“. Hier gibt es fast alles was man im einem gut sortierten Trödelladen kaufen kann.

Um 18.00 Uhr setzte sich unser Bus wieder in Richtung Heimat in Bewegung. Aus den zahlreichen Rückmeldungen der Teilnehmer war zu entnehmen, dass sie mit unserem Programm sehr zufrieden waren.

Bilder: Fotogruppe des Kulturrings Allendorf e.V.

Die weiße Dame

Stadttheater1

Am 5. Mai 2016 besuchte der Kulturring Allendorf e.V. „Die weiße Dame“ im Stadttheater Gießen, eine Oper von François-Adrien Boieldieu.

Das  Stadttheater Giessen ist seit einigen Jahren bekannt dafür, fast vergessene Werke mit beachtlichem Erfolg auf die Bühne zu bringen. So z.B. „Lo Schiavo“ von Carlos Gomes, und „ Linda di Chamounix“ von Gaetano Donizetti. Wir haben beide Werke in den letzten Jahren gesehen und sind nicht enttäuscht worden. So haben wir es auch in diesem Jahr wieder gewagt, eine völlig unbekannte Oper in unser Programm aufzunehmen: Die weiße Dame von François-Adrien Boieldieu – in die deutsche Sprache übersetzt von dem Regisseur Dominik Wilgenbus. Leider waren die Texte akustisch nicht besonders gut zu verstehen. Aber uns wurde bald klar, um was es ging:

Der Offizier George Brown platzt in die Tauffeierlichkeiten beim schottischen Pächter Dikson und seiner Frau Jenny und erfährt, dass Dikson einst von der „weißen Dame“, die auf dem nahen Schloss von Avenel umhergeistern soll, Geld bekam und dafür versprochen hat, der „weißen Dame“, wenn die Zeit gekommen ist, zu Diensten zu sein. Als ein Brief eintrifft, der an dieses Versprechen erinnert, bekommt es der Pächter mit der Angst zu tun und George Brown macht sich an seiner Stelle auf den Weg ins Schloss. Dort hat der Gutsverwalter Gaveston das Anwesen bewusst herunter gewirtschaftet, um es in einer Versteigerung günstig in seinen Besitz zu bringen. Sein Mündel Anna hat sich vor kurzem in George Brown verliebt, der nicht weiß, dass er der rechtmäßige Erbe des Schlosses Avenel ist. Auf Anweisung der weißen Dame ersteigert er das Schloss, obwohl er völlig mittellos ist. Anna, die den Ahnenschatz der Avenels verwaltete,  tritt als „weiße Dame“ auf und enthüllt Georges Identität. Ende gut, alles gut.

Diese – doch etwas abstruse –  Geschichte wurde von den Akteuren in ihren knallbunten Kostümen mit viel Witz und großer Spielfreude dargestellt.  Es stimmte wieder alles: großartige Stimmen, allen voran der aus Wien stammende Tenor Clemens Kerschbaumer in der Rolle des Offiziers George sowie die spanische Sopranistin mit dem unaussprechlichen Namen Naroa Intxausti, die bereits seit 4 Jahren zum Gießener Ensemble gehört. Und natürlich die die temperamentvolle schmissige Musik des Komponisten François-Adrien Boieldieu.

Bei dieser temporeichen und witzigen Inszenierung vergingen die 170 Spielminuten wie im  Flug.

Fotos: mit freundlicher Genehmigung des Stadttheaters Gießen

Ahrweiler mit Regierungsbunker und Drachenfels

Bunkereingang

Bunkereingang Regierungsbunker Ahrweiler

Tagesausflug am Samstag, den 23.April 2016 nach Ahrweiler zur Besichtigung des Regierungsbunkers mit anschließender Fahrt zum Drachenfels-Plateau.

Am frühen Samstagmorgen fuhren wir mit einem fast voll besetzten Bus der Firma Plus Bus Tours zunächst nach Bad Neuenahr-Ahrweiler zur Besichtigung der „Dokumentationsstätte Regierungsbunker“. Vom Parkplatz „Römervilla“ führten verschiedene Wege zu dem in einem Weinberg gelegenen Bunker. Wir hatten sogar die Möglichkeit, mit Taxis den steilen Anstieg zu bewältigen, die Herwig Stein vorsorglich bestellt hatte.

Der Bunker entstand unter großer Geheimhaltung in den Jahren 1960 bis 1972 in zwei Tunneln einer nie fertig gestellten Eisenbahnstrecke. Er war für die zivilen Behörden aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn bestimmt und sollte der deutschen Bundesregierung als Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland und unterirdische Führungsanlage im Kriegsfall dienen.

Nach Ende des Kalten Krieges wurde die Anlage aus Kostengründen Ende der neunziger Jahre zunächst stillgelegt. Heute ist nur noch ein kleines Bunkerstück von ca. 200 Metern Länge erhalten, das in das Museum „Dokumentationsstätte Regierungsbunker“ umfunktioniert wurde. Vorausgegangen waren eine jahrelange aufwändige Entkernung und der Rückbau des ehemaligen Bunkers. Und erst seit dieser Zeit hat die Öffentlichkeit Kenntnis von dieser gigantischen Anlage. Die Kosten des teuersten Bauwerks der Bundesrepublik betrugen damals 4,1 Milliarden D-Mark. Die Gelder flossen von allen Ministerien auf ein so genanntes „Baukonto.“

Betreiber des Museums ist heute der Heimatverein „Alt-Ahrweiler“ e. V. Wir wurden von einem der 40 gut geschulten Gästeführer geführt, der interessantes und kurzweiliges zu erzählen wusste.
Im Verlauf dieser 90minütigen Führung wurden uns verschieden Räume gezeigt und erklärt. Besonders beeindruckend waren die beiden rollbaren Eingangstore aus Beton und Stahl, welches jedes ein Gewicht von 25 Tonnen hat. Die Einrichtung schien uns fast vorsintflutlich: eine – damals – rund um die Uhr besetzte Kommandozentrale, die an Science Fiction Filme aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts erinnert, Dekontaminationskammern, bis hin zum Schlafgemach des Kanzlers mit Bett und eigenem Bad, ein Friseursalon, ebenso Reste der früheren Krankenstation, und technische Einrichtungen. Alles eingerichtet für den Fall, dass die damalige Hauptstadt Bonn geräumt werden musste. In diesem 19 km langen System aus Tunneln und Seitengängen mit insgesamt 20.000 Türen sollten bis zu 3000 Personen Platz haben und so vor einem Angriff mit Atom-Waffen geschützt werden. Die Nahrungsvorräte in riesigen Lagern reichten für jeweils einen Monat und wurden ständig erneuert.

2009 wurde der Regierungsbunker von der Europäischen Kommission zum Europäischen Kulturerbe erklärt.
Wir waren sehr beeindruckt, als wir den Bunker verließen.

Unsere nächste Station war Bad Neuenahr-Ahrweiler. Durch die romantische Einkaufstraße in der Innenstadt, auf neudeutsch: Shopping Mall, erreichten wir das Restaurant Bells, wo wir zum Mittagessen angemeldet waren. Nachdem wir dort schnell, gut und reichlich bewirtet wurden, blieb uns bis zur Weiterfahrt um 15.00 Uhr sogar noch etwas Zeit für einen kleinen Einkaufsbummel.

In Königswinter brachte uns die älteste noch betriebene Zahnradbahn Deutschlands – die Drachenfelsbahn – zur Burg Drachenfels. Der Sage nach soll hier oben im Siebengebirge Siegfried den Kampf mit dem Drachen ausgefochten haben. Bis in die Mitte des vorletzten Jahrhunderts wurde auf dem Drachenfels Trachyt abgebaut, der auch zum Bau des Kölner Doms verwendet wurde, ebenso wie der Lungstein aus dem Rabenauer Steinbruch.

Die meisten eilten sogleich zu Kaffee und Kuchen in das Restaurant auf dem Plateau und einige wenige begaben sich zur Burgruine, dem Rest einer einstigen Burganlage. Bei inzwischen herrlichem Sonnenschein aber auch kaltem Wind hatte man einen wunderschönen Blick über den Rhein nach Königswinter und das benachbarte Bonn, sogar den Kölner Dom konnten wir in der Ferne erkennen.

Nach diesem erlebnisreichen Tag kehrten wir um 18.00 Uhr mit vielen neuen Eindrücken wieder zurück. Man war sich einig, dass der erste Vorsitzende Herwig Stein diesen schönen Tagesausflug wieder sehr gut geplant und organisiert hatte.

Fotos: Klaus Kober, Herwig Stein, Hartmut Winkler

Achtung Oma

Das Kikeriki-Theater war zu Gast in Garbenteich. Am 20. November 2015 wurde „Achtung Oma – Kasperletheater mit Omaschutz-Programm“ gespielt.

Die Comedy Hall und das Kikeriki Theater waren in Pohlheim-Garbenteich am 20. und 21. November 2015 und wir waren dabei, dank unseres Vorsitzenden Herwig Stein, der seine guten Beziehungen ins Spiel gebracht hat. Die von ihm georderten 40 Karten waren auch gleich vergriffen nach der Veröffentlichung des Jahresprogramms in den Mitteilungsblättern Anfang dieses Jahres.

Die Comedy Hall in Darmstadt ist die feste Spielstätte des Kikeriki-Theaters. Seit der Eröffnung am 1. März 1996 haben in mehr als 5.500 ausverkauften Vorstellungen bereits über 1.700.000 Zuschauer das komödiantische Theater mit Puppen und Menschen erlebt.

Mit schwarzem Humor inszenieren die Akteure Stücke, die sich mit den kleinen Problemen, Tücken und Schwächen des Alltags auseinandersetzen.

Ei gude wie ? Im scheenste Dammstädter Dialekt babbele die, wie dene de Schnawwel gewachse iß,  alldieweil  Dammstadt doch  eumaalisch iss. Un mooomendemaa, was hawwe die`n  schon all geschbielt ? Soll ich’s eich verkliggern? Ausser „Achtung Oma“ hawwe se de „Deppenkaiser“, „Siegfrieds Nibelungenentzündung“ un de „Doktor Goggolores“ geschbielt. Un allsemol schbiele se aach “Himmel, Arsch und Zwirn”. Da kenne die nix!

Ein Puppenspiel, nun wollen wir Euch zeigen,
ein Kasperstück, das sich um Oma dreht
und um den ewig gleichen Lebensreigen,
dass Alt und Jung oft schlecht zusammen geht.

In diesem, von den Komödianten zu Beginn der Aufführung gesungenen Vers, liegt die Intention des Stückes: der ewig menschliche „Generationskonflikt“. Doch keine Angst, es wird noch nicht einmal im Ansatz versucht, diesen „Konflikt“ zu lösen. Es ist lediglich die Lust der Komödianten, völlig absurd und respektlos damit umzugehen. Und da man sich doch oft die Frage stellt, ob die ganze Welt letztendlich nicht auch nur ein großes „Kaspertheater“ ist, sind die grotesken „Holzköpfe“ – als dreidimensionale Karikaturen – hierfür auch die wirklich idealen Darsteller.

So ist es zu lesen auf der Homepage des Veranstalters: www.kultur-in-mittelhessen.de

Uns hat`s gefallen – wenn`s auch manchmal ein bisschen derb war !

Eugen Onegin

Am Sonntag,  den  18. Okt. 2015  besuchten wir die erste Vorstellung der Theatersaison 2015/2016. Eugen Onegin, Oper von Peter Iljitsch Tschaikowski nach dem gleichnamigen Roman von Alexander Puschkin.

Nach der Premiere hatte sich die örtliche Presse ja nicht gerade überschlagen vor Begeisterung wegen der modernen Inszenierung von  „Eugen Onegin“. Und so sahen wir teils skeptisch, teils gespannt dieser Aufführung im Giessener Stadttheater  entgegen. Eine einfache Liebesgeschichte wird dank Tschaikowskys gefühlvoller Musik zum großen Drama:

Im Mittelpunkt des Poems steht Eugen Onegin, ein junger Dandy aus Petersburg, der durch Erbschaft zum Gutsbesitzer wird und von der Hauptstadt aufs Land zieht. Hier führt ihn Lenski, ein gefühlvoller Gutsbesitzer, in das Haus der Larins ein, in dem zwei Töchter, Olga und Tatjana, leben. Olga ist die Braut von Lenski, Tatjana verliebt sich in Eugen, gesteht ihm in einem Brief ihre Liebe. Da sich Eugen, wie er bekennt, wenig für die Ehe und das Familienleben eignet, weist er blasiert Tatjanas Liebe zurück. An Tatjanas Namenstag tanzt Eugen nur mit Olga, so dass ihn Lenski zum Duell fordert, in dessen Verlauf Eugen seinen Freund Lenski tötet. Darauf verlässt er das Gut. Nach Jahren trifft Eugen, inzwischen älter und reifer geworden, in Petersburg Tatjana, die inzwischen Frau eines Generals geworden ist. Er begehrt sie, sie weist ihn zurück; denn, obwohl sie noch Eugen liebt, will sie ihrem Mann die Treue halten.

Gewöhnungsbedürftig war tatsächlich das Regiekonzept – es laufen gleichzeitig zwei Handlungen ab: zum einen die Oper selbst und zum anderen dreht Onegin im Rückblick seinen eigenen Lebensfilm und wuselt daher als Regisseur mit seinem Team ständig auf der Bühne umher.

Tatjana Miyus, Sopranistin aus der Ukraine in der Rolle der schüchternen Tatjana hat uns am besten gefallen. Sie bekam am Ende auch den meisten Applaus. Und auch die deutsche Altistin Ortrun Wenkel in der Rolle der Amme Filipjewna lieferte im Alter von 73 Jahren noch eine beachtliche Leistung. Sie wurde bereits 1976 von Wolfgang Wagner nach Bayreuth  geholt und bekam für ihre Darstellung der „Erda“ in der „Götterdämmerung“ den Grammy.

Auch alle anderen gaben Akteure gaben ihr bestes – immerhin wurde auf russisch gesungen, was sicher eine große Herausforderung war. Glücklicherweise wurde die Vorstellung für die Zuschauer in deutscher Sprache übertitelt!

Fazit: Trotz einiger wunderlicher Regieeinfälle war es im großen und ganzen eine stimmige Inszenierung. Es hätte schlimmer kommen können!

Pjotr Iljitsch Tschaikowski schrieb übrigens mit „Schwanensee“ und „Der Nussknacker“   die beiden berühmtesten Ballette der Musikgeschichte.

 

Duellszene, gemeinfrei Eugen Onegin- Lensky und Tatjana.Foto gemeinfrei

Tagesausflug nach Eisenach

Für unseren diesjährigen Tagesausflug am 5. September 2015, musste aufgrund der großen Nachfrage  ein größerer Bus wie ursprünglich geplant geordert werden.  So konnte der 1. Vorsitzende Herwig Stein 49 Reisende begrüßen.  Der Organisator dieser Fahrt, Hartmut Winkler, machte uns zunächst mit dem Tagesablauf bekannt.  

Am Fuß der Wartburg angekommen hatten wir die Möglichkeit, die letzten Meter per Esel, mittels Shuttlebus oder zu Fuß den Aufstieg zu bewältigen. Die Esel wurden verschmäht, einige nahmen den Fahrdienst in Anspruch und die meisten mühten sich über scheinbar endlose Treppenstufen hinauf zur Burg, die seit 1999 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Die Anlage der über 900 Jahre alten Burg ist gewaltig, sie besteht aus mehreren Höfen und Fachwerkhäusern und thront von weitem sichtbar über der Stadt Eisenach. 40.000 Tonnen Steine sollen zum Bau der Wartburg verwendet worden sein!

Der Sage nach soll Ludwig der Springer die Gründung der Wartburg mit den folgenden Worten verkündet haben: „Wart! Berg, du sollst mir eine Burg werden!“ seine Nachkommen, beginnend mit seinem Sohn Ludwig I., stellten ab 1130  die Landgrafen von Thüringen, bis 1247 Heinrich Raspe der letzte Landgraf von Thüringen auf der Wartburg stirbt.

Unser Führer erwartete uns vor dem  Palas (repräsentativer Saalbau einer mittelalterlichen Burg) und machte uns zunächst mit der Geschichte der Wartburg vertraut. Die Burg im jetzigen Zustand stammt aus dem 18./19. Jahrhundert. Der Palas wurde 1847 bis 1870 auf Veranlassung von Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach in umfassender Weise durch den Giessener Architekten Hugo von Ritgen restauriert. Ritgen ist uns bekannt durch die Renovierung der Burgen Staufenberg und Gleiberg, sowie der Kapelle auf dem Alten Friedhof in Gießen, wo Ritgen auch begraben liegt.

Unsere Führung begann in den Privatgemächern der Landgrafen. Vom schlichten Rittersaal, der ursprünglich als Schlafsaal diente, gelangten wir in den Speisesaal mit seinen kostbaren Wandteppichen und von dort kamen wir in die prunkvoll ausgestatte Elisabethkemenate mit ihren farbenprächtigen Mosaiken. Sie zeigen Szenen aus dem ehemals weltlichen Leben der Prinzessin Elisabeth von Ungarn. Das aus 4,5 Millionen Glassteinchen bestehende Mosaik wurde erst später, zwischen 1902 und 1906 eingefügt und war ein Gastgeschenk des letzten deutschen Kaisers, der sich häufig  auf der Wartburg aufhielt.

Über viele weitere Treppenstufen gelangten wir zur Kapelle aus dem 14. Jahrhundert und von dort in die Elisabeth-Galerie, wo wir die Geschichte der Heiligen Elisabeth hörten. In dieser Galerie stellte der Maler Moritz von Schwind den Lebensweg der heiligen Elisabeth dar und wies mit den „sieben Taten der Barmherzigkeit“ auf ihre karitative Bedeutung hin.

Die sechs großen Fresken zeigen:

  • die Ankunft der vierjährigen Prinzessin auf der Wartburg
  • die Legende vom „Rosenwunder“
  • den Abschied der Landgräfin von ihrem Ehemann, der zum Kreuzzug aufbricht
  • ihren Weggang von der Wartburg nach seinem Tod
  • ihr Sterbelager im Marburger Hospital und
  • die Erhebung ihrer Gebeine aus Anlass der Heiligsprechung 1235

Elisabeth wurde bereits als Kind dem Landgrafen von Thüringen versprochen und bereits mit 4 Jahren, ausgestattet mit reicher Mitgift,  nach Thüringen gebracht.  Ihre kurze, glückliche Ehe mit  Ludwig IV., Landgraf von Thüringen, Pfalzgraf von Sachsen und Graf von Hessen, endete bereits 1227, als ihr Mann als Kreuzfahrer in Süditalien an einer Seuche starb.

Die gemeinsamen Kinder waren Hermann von Thüringen II.  (1222–1241), er starb bereits mit 19 Jahren und wurde angeblich vergiftet. Sophie von Brabant (1224–1275), deren Sohn Heinrich war der erste Landgraf von Hessen, so dass Elisabeth oft auch als Stammmuter des Hauses Hessen betrachtet wird. Eine Statue von Sophie mit ihrem kleinen Sohn steht auf dem Marburger Marktplatz. Aufgrund dieser historischen Verbindungen ist Marburg  die Partnerstadt von Eisenach. Gertrude von Altenberg (1227–1297), die erst nach dem Tod ihres Vaters zur Welt kam. Sie wuchs  im Kloster Altenberg bei Wetzlar heran und wurde schon mit 21 Jahren dessen Äbtissin

Nach dem Tod ihres Mannes folgt Elisabeth ihrem strengen Beichtvater Konrad nach Marburg, um dort ein Leben in Armut, Keuschheit und Demut zu führen. Dem höfischen Prunk auf der Wartburg hatte sie stets ablehnend gegenüber gestanden. In Marburg gründete sie ein Spital und kümmerte sich besonders um die Aussätzigen und verschenkte schließlich sogar ihr Vermögen. Sie starb nach nur dreijährigem Wirken im Alter von 24 Jahren völlig verarmt an Auszehrung und wurde in der Kapelle ihres Hospitals bestattet.
Bereits vier Jahre nach ihrem frühen Tod, 1231, wird sie von Papst Gregor IX. aufgrund ihrer karitativen Aktivitäten heilig gesprochen.

Als nächstes kamen wir in den Sängersaal. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts belebten Sänger und Dichter, unter ihnen Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach  die Wartburg. Die Sage vom Sängerkrieg  wird dargestellt auf einem Fresko  von Moritz von Schwind und wurde bekannt durch die Wagner-Oper »Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg.“ Überrascht hörten wir, dass der Verlierer des Sängerwettstreites gehängt wurde  (und heutzutage machen bei uns sogar noch die Verlierer von DSDS  Karriere!)

Das Landgrafenzimmer nebenan diente als Richter- und Audienzzimmer. Die Mittelsäule mit dem prächtigen Adlerkapitell und dem Löwen zeugte von Macht und Stärke der damaligen Herrscher. Der Löwe wurde ursprünglich von den Ludowingern benutzt und wird bis heute in Hessens Wappen verwendet.

Das letzte und prächtigste Zimmer unseres Rundgangs war der Festsaal. Dieser  erstreckt sich über die gesamte Länge und Breite des Palas der Wartburg und beeindruckt durch die kostbare Ausstattung. Da dieser Raum eine hervorragende Akustik hat, gehört er heute zu einem der beliebtesten Konzertsäle Deutschlands. Dort erfuhren wir auch, woher die Farben der deutschen Flagge kommen:  Schwarz-Rot-Gold waren die Farben der Jenaer Urburschenschaften, die sich im Jahre 1817 erstmal auf der Wartburg trafen, um als revolutionärer Bewegung gegen  Kleinstaaterei und für Meinungsfreiheit und Mitbestimmung kämpfen. Zur Erinnerung daran findet auch heute noch alljährlich das Wartburgfest statt: zum 300. Reformationsjubiläum und anlässlich des vierten Jahrestages der Leipziger Völkerschlacht gegen die napoleonische Fremdherrschaft versammeln sich am 18. Oktober 500 Studenten zum Wartburgfest, der ersten bürgerlich-demokratischen Versammlung in Deutschland. Unter dem Motto „Ehre – Freiheit – Vaterland“ kämpfen sie um einen geeinten Nationalstaat und verfassungsmäßig garantierte Freiheiten.

Im Museum, welches wir nach dem Rundgang durch den Palas ohne Führung besuchen können, sahen wir Schätze aus dem Mittelalter. Leider blieb uns nicht mehr genügend Zeit, um alle Kostbarkeiten zu bestaunen. Es hatte immer eine Weile gedauert, bis sich unsere große Gruppe in den jeweiligen Räumen eingefunden hatte, so dass wir bereits in Zeitverzug geraten waren.

Beim Verlassen der Kunstsammlung konnten wir aus einem Fenster das  Burschenschaftsdenkmal auf der gegenüberliegenden Göpelskuppe. Das 33 Meter hohe Bauwerk ist jenen gewidmet, die im 19. Jahrhundert unter Einsatz ihres Lebens für Einheit und Freiheit in Deutschland eintraten.

In die Lutherstube in der Vogtei, wegen der Enge sowieso nicht zugänglich, konnten wir im Vorbeigehen nur einen kurzen Blick werfen. Martin Luther hatte während des Wormser Reichstags einen Widerruf seiner Thesen verweigert und war in „Acht und Bann“ geraten. Kurfürst Friedrich der Weise bot Luther Schutz auf der Wartburg.  Hier lebte er 10 Monate als Junker Jörg und übersetzte das Neue Testament in nur 10 Monaten in die deutsche Sprache.

Am Hotel und Restaurant auf der Wartburg vorbei erfolgt dann wieder der Abstieg zu unserem  Bus, der uns wieder in die Innenstadt brachte. Dort wurden wir von 2 weiteren Führern, nämlich Herwig Stein und Hartmut Winkler, durch die Altstadt zum Augustiner Bräu geführt, wo wir bereits zum vorbestellten Mittagessen erwartet wurden.

Um 14.30 Uhr holten uns die beiden Altstadtführer Christa und Klaus Dieter Wolf am Gasthaus ab. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl wurden für unseren Rundgang zwei Gruppen gebildet. An einem schattigen Platz im Hof des Martin-Luther-Gymnasiums am ehemaligen Dominikanerkloster machte man uns zunächst mit der Geschichte Eisenachs vertraut, die wir auch teilweise schon von unserem Wartburgführer gehört hatten.

In neuerer Zeit setzte später dann auch in Eisenach die Industrialisierung ein. So wurde 1896 die Fahrzeugfabrik  Eisenach gegründet, wo zunächst  der Wartburg Motorwagen gebaut wurde, ein Vorläufer der heutigen Automobile. 1904 wurde dort mit der Produktion des DIXI begonnen. Die  Bayrischen Motorenwerke München kauften 1928 die DIXI -Fahrzeugfabrik Eisenach. Im April 1981 wurde der 1.000.000ste PKW Wartburg übergeben und genau 10 Jahre später – nach der Wende – wurde die Produktion eingestellt. Die  über 100jährige Tradition des Automobilbaus wurde nach 1990 durch die Adam Opel AG fortgeführt.  Die Werke der Automobilindustrie wie Opel und Bosch beschäftigen heute über 4000 Mitarbeiter, was Eisenach zu einem Industriezentrum Thüringens macht.

Ebenfalls zur neueren Geschichte Eisenach gehört das denkmalgeschützte Villengebiet mit mehr als 100 herrschaftlichen Villen. Es ist das größte zusammenhängende Gebiet freistehender Villen europaweit, welches zwischen 1862 und dem Ersten Weltkrieg entstand. Zu dieser Zeit war Eisenach ein Anziehungspunkt für wohlhabende Bürger. Unser Zeitplan lies eine Besichtigung aber nicht zu.

Weiter ging es zur Georgenkirche, hier wurde 1221 die damals 14jährige Elisabeth mit dem 21jährigen Ludwig von Thüringen vermählt. Ein weiterer berühmter Sohn Eisenachs, Johann Sebastian Bach, geboren im März 1685, wurde in dieser Kirche getauft. Auch Georg Philipp Telemann, ein Zeitgenosse Bachs, wirkte in dieser Kirche.

Im nahe liegenden Stadtschloss auf dem Marktplatz ist heute das Thüringen-Museum untergebracht. Daneben befindet sich das Rathaus, es wurde  wegen Einssturzgefahr im Jahr 1996 renoviert wurde.  Am unteren Ende des Turmerkers ist noch die„Eisenacher Elle“ zu sehen, ein Tuchmaß für Händler und Käufer, sowie eine Öse des Prangers.

Durch die Fußgängerzone in der Karlstraße gelangten wir zum „Schmalen Haus“ –  mit einer Breite von 2 Metern ist es eines der kleinsten bewohnten Häuser Deutschlands.

Die „Karlstraße“ ist seit dem 12. Jahrhundert ein wichtiger innerstädtischer Abschnitt der Via Regia, der ältesten und längsten Landverbindungen zwischen Ost- und Westeuropa. Sie existiert seit mehr 2.000 Jahren und verbindet mit 4.500 km Länge 8 europäische Länder. Die  Bundesstraße 7 folgt teilweise dem historischen Verlauf der Via Regia.

Über die Schmelzerstraße kamen wir zum 500 Jahre alten Lutherhaus, einem der schönsten Fachwerkshäuser Eisenachs. Es gehörte der wohlhabenden Familie Cotta und Martin Luther verbrachte hier als Lateinschüler seine Kindheit. In Vorbereitung auf das Lutherjahr 2017, in dem 500 Jahre Reformation gefeiert werden, wird das Haus z. Zt. renoviert, da von Bund und Land auch reichlich Fördermittel zur Verfügung gestellt werden.

Unser nächster kurzer Stopp galt einem „profanen“ Gebäude: wir standen vor einem der Häuser, in der die Fernsehserie „Familie Dr. Kleist“ gedreht wurde.

Am Ende unseres Rundgangs gelangten wir zum Bachhaus, es gilt als Geburtshaus von Johann Sebastian Bach und beherbergt heute das Bachmuseum. Das alte Gebäude wurde vollständig restauriert und mit einem modernen (hässlichen) Anbau verbunden. Ein überdimensionales Bachdenkmal befindet sich in einem kleinen Park vor dem Museum.
Auch der Komponist Georg Philipp Telemann  kam 1708 nach Eisenach. Telemann – der zu Lebzeiten berühmter war als Bach – hat hier als Konzert- und später als Hofkapellmeister gelebt und gewirkt.

Nach dieser Fülle von Informationen hatten wir eine Stunde zur freien Verfügung, bevor wir um 17.00 Uhr die Heimfahrt antraten.
Für alle war es ein wieder ein gelungener Ausflug – dank der guten Organisation von Hartmut Winkler. Auch das  Wetter hatte im Großen und Ganzen mitgespielt – wie immer, wenn unser erster Vorsitzender Herwig Stein mit von der Partie ist, er hat anscheinend einen guten Draht nach oben!

Der Bettelstudent

Operette in 3 Akten von Carl Millöcker in der Stiftsruine Bad Hersfeld am 7. August 2015

Zu unserer diesjährigen Fahrt nach Bad Hersfeld hatten sich wieder zahlreiche Mitglieder angemeldet.
Carl Millöckers Operette „Bettelstudent“ eroberte schon gleich nach der Uraufführung am 6. Dezember 1882 im Theater an der Wien die Bühnen der Welt.

Kurzinhalt:
Ein Kuss auf die Schulter – ein Schlag ins Gesicht. Mit ihrem Fächer hat die schöne polnische Komtesse Laura die Avancen des sächsischen Gouverneurs von Krakau, Oberst Ollendorf, vor aller Öffentlichkeit quittiert. Das muss gerächt werden! Ollendorf entlässt aus seinem Gefängnis den Bettelstudenten Symon, der als millionenschwerer Fürst Wybicki um Laura werben soll und den politischen Häftling Jan, den er zum Sekretär des vermeintlichen Fürsten macht. Nach der Hochzeit soll der ganze Schwindel auffliegen und die Gräfin Nowalska mit ihren beiden Töchtern Laura und Bronislawa zum allgemeinen Gespött gemacht werden.

Ollendorfs Racheplan scheint aufzugehen. Jedoch auch Symon und Jan haben sich in die beiden Mädchen verliebt und meinen es ernst. Während Symon darüber nachdenkt, wie er Laura seine wahre Identität gestehen kann, ohne ihre Liebe zu verlieren, nutzt Jan die etwas unübersichtliche Lage, um Polen von der Herrschaft der Sachsen zu befreien. Am Ende kündigt Kanonendonner den Sieg der Freiheit und der Liebe an. Während sich Laura und Symon, sowie Jan und Bronislawa glücklich in die Arme schließen, hat Oberst Ollendorf ausgespielt.

Unvergängliche Hits wie „Ach ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst“ „Schwamm drüber“ oder „Ich knüpfte manche zarte Bande“ stehen für eine der bis heute populärsten Operetten überhaupt.

Erfrischend und mitreißend  wurde diese Operette von den Bad Hersfelder Opernfestspielen in Szene gesetzt. Als Oberst Ollendorf, Gouverneur von Krakau, konnten wir den Starbassisten Gunther Emmerlich erleben. Besonders ansehnlich waren auch die stilvollen historischen Kostüme  und so gab es am Ende für diese sehenswerte Aufführung natürlich starken Beifall.