Kultur

Besuch von Hofgut und Schloss Friedelhausen

Am Freitag, dem 19. Juni 2015 besuchte der Kulturring Allendorf/Lda. das idyllisch gelegene Hofgut Friedelhausen.  Schon 1564 entstand das erste Schloss Friedelhausen.  In dem dortigen Rittersaal, wo unsere Führung begann, finden heute Konzerte und hofinterne Veranstaltungen statt. In den folgenden Jahrhunderten entstanden die übrigen Gebäude des Anwesens. Zwei weitere große Wohnanlagen mit behinderten-gerechten Wohnungen befinden sich gerade im Bau.

Als die Hofgemeinschaft für heilende Arbeit e.V. das Gut vor 30 Jahren von der Besitzerfamilie von Schwerin pachtete, war ein Großteil der Wirtschafts- und Wohngebäude jahrelang ungenutzt und deshalb renovierungsbedürftig. Mit Spendengeldern und viel Eigenarbeit sanierte der Verein das Gut, um dort die erste Gruppe behinderter Kinder und Schüler zu beherbergen. Heute wohnen und arbeiten hier 45 Erwachsene mit Handicap gemeinsam mit nicht behinderten Menschen. Aus umliegenden Gemeinden kommen jeden Tag weitere zwanzig Mitarbeiter nach Friedelhausen, um hier ihrer Tätigkeit nachzugehen.

Bei einer Führung durch Frau Bettina Brandt – einer Mitarbeiterin des Hauses – konnten wir uns  von der Arbeit und dem Leben in dieser Einrichtung informieren. Die Bewohner  leben und in harmonischer Eintracht in Wohngruppen und arbeiten entsprechend ihrer unterschiedlichen Begabungen z.B. in der Holzwerkstatt, der Käserei, der Landwirtschaft, der Gärtnerei oder Hauswirtschaft. Über insgesamt 76 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche werden im Einklang mit der Natur bewirtschaftet. Jeweils 1/3 der erwirtschafteten Erträge werden im Hofläden und auf Märkten verkauft, 1/3 wird an örtliche Bioläden geliefert und ein weiteres Drittel an Hotels und Kantinen und dient auch dem Eigenverbrauch.

Im Hofcafe wurden wir mit Köstlichkeiten aus der landwirtschaftlichen Produktion  bewirtet, anschließend konnten wir im Hofladen die hier hergestellten Produkte käuflich erwerben.

Ein kleiner Spaziergang führte uns zu dem heutigen Schloss Friedelhausen. Gräfin Anna von Schwerin erwartete uns bereits und machte uns mit der Geschichte des Schlosses bekannt. Der damalige Besitzer des alten Schlosses, Adalbert Freiherr von Nordeck zur Rabenau, erbaute das Schloss 1851 für seine aus London stammende Ehefrau Clara, die mit dem mangelnden Komfort im alten Schloss nicht einverstanden war. Während in ihrer Heimatstadt die Häuser bereits mit modernen Sanitäranlagen ausgestattet waren, musste sie sich hier mit einem Plumpsklo zufrieden geben.

Als Baumaterial für das spätgotisch gehaltene Gebäude kam dunkler Basalt, der Lungstein, zum Einsatz, der schon seit Jahren auch bei der Restaurierung des Kölner Doms verwendet wird. Das vulkanische Gestein stammt  aus dem Londorfer Steinbruch, wo er heute noch abgebaut wird.

Ein aufwändig gestaltetes Treppenhaus  mit einem kunstvollen schmiedeeisernen Geländer führt in eine Halle, deren Decke mit den Kreuzgewölben  von vielen schlanken Pfeilern getragen wird. Die sorgfältigen Steinmetzarbeiten stammen von örtlichen Handwerkern. „Es waren die Jungs aus der Rabenau“  erzählte die Gräfin, „die dieses wunderbare Schloss in mühevoller Arbeit erbaut haben“.
Im Inneren haben sich, insbesondere im Eingangsbereich und in den Hallen originale Wandgemälde erhalten. Auch Möbel und Tapeten sind teilweise noch im Original erhalten.

Durch diese Halle gelangten wir in ein von der Gräfin von Schwerin neuerdings eingerichtetes  „Rilkezimmer“. Der Dichter war in  den Jahren 1905 und 1906 auf Einladung der Gräfin Luise von Schwerin geb. Freiin von Nordeck zur Rabenau für mehrere Wochen zu Gast. „Mein Leben, alles was ich bin, ist durch Friedelhausen gegangen, wie ein ganzer Fluss durch die Wärme einer besonnten Gegend geht, ausgebreiteter und breiter gleichsam und glänzend mit allen seinen Wellen“ schrieb er an Gräfin Luise.

Ganz angetan waren wir auch von der Bibliothek mit den wunderschönen alten Möbeln, die sich noch darin befanden. Die Küche befand sich im Keller – jedoch verfügte das Schloss bereits über einen Speiseaufzug, der die Köstlichkeiten zu den Herrschaften transportierte.

Der heutigen Grafenfamilie ist sehr daran gelegen, ihren wunderschönen Besitz durch aufwändige und kostenintensive Restaurierungsarbeiten zu erhalten, die nach denkmalschutzrechtlichen Vorgaben ausgeführt werden müssen.

Die Ausführungen der Gräfin hatten uns sehr interessiert und Hartmut Winkler bedankte sich im Namen des Kulturrings Allendorf/Lda. bei Frau von Schwerin dafür,  dass sie eine Besichtung ermöglicht hatte.

Fotos: Kulturring Allendorf e.V. Privat

Linda die Chamounix

Das Stadttheater Gießen  geht bei der Gestaltung der Opernsparte einen Weg, der von vielen anderen kleineren Theatern für zu riskant gehalten wird, und hat damit Erfolg: mindestens die Hälfte der Produktionen sind Raritäten, Ausgrabungen oder moderne Opern und das Gießener Theater hat dadurch bundesweit anerkennendes Aufsehen erregt.

So wurde der Kulturring Allendorf/Lda. eigens zu einer Einführungsveranstaltung für  die ebenfalls unbekannte Oper „Linda die Chamounix“ von Gaetano Donizetti eingeladen. Um 18.45 Uhr wurden wir bereits von Christian Schröder erwartet, der auch für die Dramaturgie der Oper verantwortlich war.  Herr Schröder studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Romanistik und ist seit Beginn der Spielzeit 2012/13 Dramaturg für Musiktheater am Stadttheater Gießen.

Endlose Stufen führten uns zur Probebühne in der gegenüberliegenden Bezirkssparkasse. Dort machte uns Christian Schröder auf die Besonderheiten der selten aufgeführten Belcanto-Oper aufmerksam.  Belcanto heißt „Schöner Gesang“  und bezeichnet in der Musik die Gesangstechnik, die in Italien zu Beginn des 17. Jahrhunderts  entstand. Und von dem schönen Gesang der Mitwirkenden konnten wir uns anschließend überzeugen, allen voran die Sopranistin aus dem baskischen Bilbao mit dem unaussprechlichen Namen Naroa Intxausti in der Titelrolle der „Linda“. Ebenso beeindruckend waren auch Chor- und Extrachor des Stadttheaters, ergänzt vom Kinder- und Jugendchor.

Kurzinhalt:
Linda, ein armes Mädchen aus den französischen Bergen, liebt den Maler Carlo, der aber in Wirklichkeit der Sohn einer Marquise ist. Dessen Onkel möchte sie verführen und bietet deshalb den in finanzieller Not befindlichen Eltern des Mädchens Geld dafür, dass er sie als Dienstmädchen mit nach Paris nehmen darf. Der Präfekt des Ortes erkennt dies und überzeugt den Vater, die Tochter stattdessen mit den anderen Kindern des Ortes als „Saisonarbeiter“ in die Großstadt zu schicken, um einer „Entehrung“ zu umgehen. In Paris offenbart Carlo Linda gegenüber seine Herkunft und bringt sie in einer feinen Wohnung unter. Seine Mutter hat in Kenntnis dessen eine Hochzeit mit einer standesgemäßen Braut anberaumt. Lindas Vater erkennt beim Besuch von Carlos Wohnung die Tochter erst nicht – und verstößt sie dann, da er der Ansicht ist, sie habe sich verkauft. Als Linda darüber hinaus von der bevorstehenden Vermählung Carlos erfährt, wird sie wahnsinnig. Im Heimatdorf bedauern alle Lindas Schicksal, von der der Wahn bei Carlos Erscheinen – der natürlich in letzter Sekunde dann doch nicht geheiratet hat – abfällt. Die Verliebten fallen sich in die Arme und träumen von einer sorgenfreien Zukunft.

Der Zuschauersaal des Theaters war bis unter die oberen Ränge voll besetzt bei dieser letzten Vorstellung. Die Kulisse schien, ebenso wie Lindas Welt, etwas in Schieflage geraten zu sein: Der erste Akte spielte in einem asymmetrischen kirchenähnlichen Wohnzimmer, der zweite Akte dann in einer noblen Pariser Wohnung, ehe man im letzten Aufzug wieder das Haus sah, in dem nun alles aus den Fugen geraten war. Warum allerdings Linda ab und zu in einem Schrank verschwand, erschloss sich uns leider nicht.

Nach der fast dreistündigen Aufführung wurden alle Beteiligten mit nicht enden wollendem Applaus belohnt. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass es sich durchaus lohnt, auch selten gespielte Stücke in das „Repertoire“ des Kulturrings aufzunehmen. So haben wir in der Vergangenheit schon die meist unbekannten Opern „Lo Schiavo“ von Carlos Gomes und „La Favorita“ – ebenfalls von Gaetano Donizetti –  gesehen und waren von den gezeigten Aufführungen immer hellauf begeistert.

Auch in der Saison 2015/2016 des Stadttheaters Gießen stehen wieder überwiegend
unbekannte Werke auf dem Spielplan. Nicht zuletzt aus diesem Grund planen wir unter anderem wieder eine Fahrt in das Staatstheater Kassel sowie einen Besuch in ein weiteres Theater unserer Region und hoffen, mit der Auswahl der Stücke den Geschmack unserer Mitglieder treffen zu können.

Der Weibsteufel

Erstmals besuchten ca. 40 Mitglieder des Kulturrings Allendorf/Lda. am 01.02.1015 die neue Studiobühne des Stadttheaters Gießen taT. Die neue Bühne befindet sich im Erdgeschoss des Großkinos Kinopolis und ersetzt ab der Spielzeit 2014/2015 die alte Bühne im TiL (Theater im Löbershof), welche für die Bedürfnisse des Stadttheaters nicht mehr ausreichte.

Der Schmuggler mit seinem „Weibsteufel“ wohnte hoch oben in den Tiroler Bergen und aufschauen mussten die Zuschauer allemal: Mitten im Raum stand ein hohes quadratisches Podest, welches an allen vier Seiten von den Zuschauerreihen umsäumt wird. Man hatte somit das Gefühl, einem Ringkampf zuzusehen. Und ein Kampf war es allemal: ein unerbittlich geführten Machtkampfes zwischen zwei Männern und einer Frau – im alpinen Dialekt.

Carolin Weber spielte überzeugend eine Frau, die zunächst von den Männern benutzt wird und sie dann gnadenlos gegeneinander ausspielt… und somit zum „Weibsteufel“ wird. Heutzutage sagt man „Femme fatale“ dazu.

Roman Kurz, den wir schon mehrfach in Gießen gesehen haben, u. a. als Othello und Prof. Higgins in „My fair Lady“ überzeugte erneut durch seine intensive Darstellung des Schmugglers, der mit Schlauheit und Skrupellosigkeit seine Ziele erreichen will.

Bis zum tödlichen Ende des Dramas war es totenstill im Zuschauerraum und gespannt folgten wir den Vorgängen auf der Bühne. Am Ende ist einer tot, der andere kommt insGefängnis, und die Frau erbt das Haus am Markt.

Überraschend schnell war das Stück zu Ende – und auch noch früher wie vom Theater angegeben. Daher nutzten wir die Gelegenheit bis zur Abfahrt des Busses, um im schönen neuen Foyer des Theaters das ein edles Getränk zu uns zu nehmen.

Schö woars, dös muss mer scho sog`n. Fei sakrisch guat g´spült homs olleweil, s´woar groad e Freid zum Zuschaugn.

Der Weibsteufel

20141023_194941

Foto: Gisela Schmiedel

Ein Schauspiel von Karl Schönherr im Stadttheater Gießen. Am 23.10.2014 besuchten 3 Mitglieder des Kulturrings auf Einladung des Stadttheaters Gießen eine öffentliche Probe des Schauspiels „Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr. Die Schauspieldramaturgin Cornelia von Schwerin begrüßte die ca. 50 Anwesenden im neuen Bistro des taT Gießen. Wir erhielten zunächst einen umfangreichen Überblick über Leben und Werk des Schriftstellers Karl Schönherr, dem Verfasser von „Der Weibsteufel“. Bühnenbildner und Ausstattungsleiter Lukas Noll erklärte das Bühnenbild, was eigentlich keins war.

Anschließend begaben wir uns in die untere Etage zur Studiobühne taT. Die Bühne war in diesem Fall in der Mitte des Raumes, einziges Requisit war ein Kreuz und eine Kiste. Man zeigte uns drei kurze Szenen des Schauspiels mit den Akteuren Roman Kurtz, Carolin Weber und Maximilian Schmidt.

Nach der Premiere am 30.10.2014 waren beide Gießener Tageszeitungen voll des Lobes über die gelungene Umsetzung dieser Dreierbeziehung. „Mit dem  WEIBSTEUFEL steht ein vor innerer Spannung knisterndes Kammerspiel auf dem Spielplan, in dem die Schauspieler in der intimen Nähe zum Publikum agieren und es damit direkt ins Geschehen hineinziehen“, so der „Gießener Anzeiger“.

Am Ende dieser kleinen Vorstellung hatten die Zuschauer Gelegenheit, ihre Meinung kundzutun und Fragen an die Schauspieler und den Regisseur Wolfram J. Starczewski zu stellen. Wir fanden das alles sehr interessant und werden im kommenden Jahr eine Vorstellung besuchen. Leider gibt es dafür vom Stadttheater noch keine Termine für das Jahr 2015.

Marionettentheater Eckelshausen

windsor03_view

Die lustigen Weiber von Windsor

Im September vorigen Jahres hatte der Vorstand des Kulturrings Allendorf/Lda. „Probe geguckt“ im Marionetten-Theater Eckelshausen. Damals stand die Oper „Die Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Spielplan. Da diese Aufführung einer Oper als Puppenspiel allgemein Anklang gefunden hatte, wagten wir es, auch unseren Mitgliedern eine Vorstellung anzubieten.

So besuchten am Samstag, den 11. Oktober 2014 gut 30 Mitglieder Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ als Puppenspiel. In der umgebauten Scheune des 300 Jahre alten Schartenhof mit rund 70 Sitzplätzen verfolgten wir gespannt das Geschehen auf der kleinen Bühne. Marionetten mit farbenprächtigen Kostümen und ein herrliches Bühnenbild erwarteten die Besucher. Die in Handarbeit gefertigten Puppen wurden mit sehr viel Liebe zum Detail von der inzwischen 90jährigen Künstlerin Annemarie Gottfried-Frost gestaltet, die das Marionettentheater 1997 gründete. Da die meisten Stoffe für die Marionetten zu steif sind, benutzt sie nur Seide. Inzwischen verfügt das Theater über 120 Marionetten.

Foto Cyriax

Foto: Cyriax

Von fünfzehn Ensemblemitgliedern bewegen sechs junge Marionettenspieler im Alter von 16-23 Jahren die Marionetten in perfekter Abstimmung zur Musik.  Um die außerordentliche Leistung der Marionettenspieler zu verdeutlichen wird am Ende bei der Zugabe auch der obere Vorhang geöffnet, so dass die Spieler zu sehen sind.
Passend zum Ambiente des historischen Anwesens war auch die Musik. Zugrunde gelegt wurde eine historische Aufnahme der Bayrischen Staatsoper München. Und am Ende waren alle der Meinung, dass dies wieder eine gelungene Vorstellung war.

Fahrt nach Oppenheim

Mitglieder des Kulturrings im Weinberg.

Mitglieder des Kulturrings im Weinberg.

Der Kulturring Allendorf/Lumda e.V. besuchte Oppenheim und ein Weingut in Rheinhessen. Am Samstag, 30. August machte sich eine Gruppe von 30 Personen auf den Weg  in den Weinort Oppenheim am Rhein. Zunächst stand ein Besuch im Deutschen Weinbaumuseum auf dem Programm. Unter fachkundiger Führung des Museumsleiters konnten die Besucher auf einer Ausstellungsfläche von 5000qm 2000 Jahre Weinbaukultur aus der Perspektive des Winzers vom Anbau bis zur Abfüllung in einem eineinhalbstündigen Rundgang kennen lernen.

Nach dem Mittagessen ging es dann mit dem Bus weiter in das nahegelegene Weingut Dannenfelser in Mörstadt. Hier wurde die Gruppe bereits vom Seniorchef Wolfgang Dannenfelser erwartet und begrüßt. Bei strahlendem Sonnenschein startete hier eine gemächliche Wanderung durch die Weinberge rund um Mörstadt. Hierbei informierte uns der Winzer über die verschiedenen Weinarten und deren Besonderheiten. Aber auch die vielfältigen Arbeiten im Weinbau wurden konnten hier anschaulich erklärt werden. Und natürlich hatten wir Gelegenheit, uns die inzwischen  schon teilweise reifen Trauben schmecken zu lassen.

Nach Ende des Rundganges erwartete uns eine Weinprobe in dem als Familienbetrieb geführten Weingut. Bei selbstgebackenem Flammkuchen und Spundekäs war es schon ein kulinarischer Genuss die verschiedenen Weinsorten zu verkosten. Dabei informierte uns Herr Dannenfelser über die Besonderheiten der einzelnen Weinsorten sowie über den jeweiligen Alkoholgehalt, den Restsüßegehalt und den Säuregehalt.

Ausgestattet mit diesen Kenntnissen hatten wir nun Gelegenheit, sogleich ausgewählte Weine mit nach Hause zu nehmen.  Gegen 22.00 Uhr kehrten wir wieder wohlbehalten ins Lumdatal zurück.

Präsentation der Spielzeit 2014/2015 im Stadttheater Gießen

von links: Tarek Assam, Catherine Miville, Gerd Muszynski, Matthias Schubert

von links: Tarek Assam, Catherine Miville, Gerd Muszynski, Matthias Schubert

Jeweils zu Beginn einer Spielzeit lädt die Intendantin des Stadttheaters Gießen Catherine Miville unter anderem  den Vorstand des Kulturrings zu einer Vorstellung des neuen Programms ein. So stellten sich auch drei Mitglieder des Kulturrings zur Präsentation des Spielplans 2014/2015 am 20.6.2014 in den neuen Räumen der „taT-Studiobühne“ am Rathaus in Gießen ein.

Im Vorfeld hatten wir uns bereits über die geplanten Aufführungen der neuen Spielzeit informiert und waren zunächst zu dem Schluss gekommen, dass das angebotene Programm nicht unbedingt unseren Geschmack treffen würde. Dies erwies sich jedoch glücklicherweise als nicht zutreffend. Der neue Dramaturg Gerd Muszynski sowie der Gastdramaturg und Schauspieldirektor Matthias Schubert stellten einige Opern und Schauspiele recht anschaulich dar und weckten somit unser Interesse.

Auch Tarek Assam, langjähriger Ballettdirektor und Choreograph, der inzwischen mit seiner Tanzcompanie internationale Bekanntheit erlangt hat, machte uns neugierig auf seine geplanten Inszenierungen.

Von uns wurde bemängelt, dass die heute üblichen sehr modernen Inszenierungen nicht unbedingt den Geschmack des – zumindest – älteren Publikums treffen. Frau Christine Miville zeigte sich überrascht, dass die ihrer Meinung nach „recht schlüssigen Aufführungen“ auf einiges Unverständnis gestoßen seien, und das offensichtlich nicht nur bei unserem Kulturring. Sie gab zu bedenken, dass  im Großen und Ganzen die Inszenierungen des Stadttheaters Gießen bundesweit anerkennende Beachtung finden, was von allen Anwesenden auch einmütig bestätigt wurde.

Zum guten Schluss machte uns die für den Kulturring zuständige Mitarbeiterin des Theaters, Frau Angelika Hufnagl den Vorschlag, eigens für uns und eine weitere Gruppe ein Schauspiel im neuen „taT“ (kleines theater am Theater) zu organisieren. Frau Hufnagl hat uns bisher immer gut beraten und mit der Auswahl der von ihr vorgeschlagen Stücke traf sie erstaunlicherweise immer  den  Geschmack unserer Mitglieder.

So gestärkt mit Informationen, Kaffee und Häppchen verließen wir die fast 2-stündige Informationsveranstaltung. Nun hat der Vorstand die Qual der Wahl bei der Auswahl der Stücke: sie sollen ein breites Publikum ansprechen und es soll für jeden Geschmack etwas dabei sein. Und nach wie vor ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar,  ob diese Stücke konventionell oder wieder modern und unverständlich aufgeführt werden, das heißt: top oder flop.

Besuch in der Hungener Käsescheune

1

Käseherstellung in Hungen

Gut 30 interessierte Mitglieder besuchten am Freitag, den 18.07.2014 die Schaukäserei in Hungen. Eine nette Mitarbeiterin erwartete uns schon und machte uns im Laufe der nächsten Stunde mit der Käseherstellung vertraut. Zunächst servierte man uns einen Imbiss – bestehend aus vielen leckeren Käsesorten. Dazu gab es Brot, Wasser und Saft.

Unser kleiner Rundgang begann vor einer breiten Glasfront. Dahinter standen die Maschinen, die zur Käseherstellung benötigt werden – leider waren sie gerade nicht in Betrieb. Man erklärte uns, wie Bio-Kuhmilch und Schafsmilch aus der Region verarbeitet werden. Es werden in Hungen hauptsächlich Frisch- und Weichkäse produziert werden, sowie Joghurt. Transparente Bodenplatten erlaubten Einblicke in den Reifekeller, die Schatzkammer jeder Käserei.

Alle hergestellten Käsesorten werden und im Reifekeller affiniert d.h. veredelt. Durch die Affinage (sortenspezifische Behandlung mit Wein, Apfelwein, Kräutern, Sud, Salzlake oder Schimmelkulturen usw.), erhält Käse seinen letzten Schliff und entfaltet das ihm zugrunde liegende typische Aroma. Auch ganz neue Geschmacksvarianten werden hier kreiert.

Bergkäse von befreundeten Käsern aus dem Allgäu, aus den verschiedenen Regionen wie dem Schweizer Emmental, aus dem Vorarlbergs, vom Tegernsee oder aus Südtirol werden hier verfeinert mit Wetterauer Apfelwein/ Rheingauer Wein/ hessischem Bier/ Edelbränden/ Whiskey von den Hessischen Highlands/ Gewürzen/ Kräutern oder Trester. Uns hatte es besonders der Licher Bierkäse angetan.

Nach der ca. einstündigen Führung sahen wir uns dann noch in aller Ruhe in der Käserei um. In der oberen Etage gab es noch weitere Räumlichkeiten zu besichtigen: Ein Seminarraum mit den dazu gehörenden Utensilien, (Lästerzungen sprachen von einer „Hexenküche“) und ein Erlebnisraum „Schaf und Natur“.

In dem Genuss-Laden konnten wir ausgewählte Spezialitäten und Produkte aus der Heimat erwerben: Apfelwein aus der Wetterau, Ahle Worscht aus Nordhessen, Konfitüren aus Inheiden, Kürbissekt aus Hungen, Apfel-Balsamico aus dem Odenwald, Schlitzer Whisky, selbst gebackenes Brot, Heimat-Kochbücher und vieles mehr !
Von dem großen Angebot machten wir natürlich reichlich Gebrauch bevor wir nach diesem interessanten Nachmittag wieder die Heimfahrt antraten.

Fotos: Kulturring, privat

Führung über den Alten Friedhof in Gießen

Am Freitag, den 09. Mai 2014 besichtigten ca. 30 Mitglieder des Kulturrings den „Alten Friedhof“ in Gießen. Angelegt wurde der Alte Friedhof ab 1530, damals weit außerhalb der Stadtmauern, vermutlich auf einem bereits existierenden Pestacker. Als die Kapazität dieses Friedhofs erschöpft war, (man schätzt etwa 28.000 Beerdigte) wurde 1903 der neue Friedhof auf dem Rodtberg eröffnet. Bestattungen werden auf dem Alten Friedhof seit 1993 in der Regel nicht mehr vorgenommen; eine Ausnahme bilden Verstorbene von Familien, die bereits ein Familiengrab auf dem Alten Friedhof besitzen und das Nutzungsrecht fortlaufend erneuert haben.

Seit 2012 ist es möglich, eine Patenschaft für ein Grab auf dem Alten Friedhof zu übernehmen. Ein Pate sollte den stolzen Betrag von mindestens 8500 Euro Entgelt zahlen und damit das Recht erwerben, seine Urne nach seinem Tod auf dem Patenschaftsgrab beisetzen zu lassen. Die Grabpatenschaften sollen einen Beitrag zur Finanzierung der sehr aufwendigen Pflege des Alten Friedhofs leisten.

Die Kunsthistorikerin und Stadtführerin Dagmar Klein führte uns zunächst in die Friedhofskapelle, wo sie uns die architektonischen Besonderheiten erklärte. Sowohl im Innenraum als auch an den Außenwänden der Kapelle sind kunsthistorisch wertvolle Grabmale bedeutender Persönlichkeiten aufgestellt. Bemerkenswert sind die Epitaphe für die Theologen Johannes Winckelmann (1551–1626), den Gründungsrektor der Gießener Universität sowie dessen Nachfolger Justus Feuerborn. Feuerborn Schwiegersohn Peter Haberkorn setzte die Tradition fort. Schmunzeln nahmen wir zur Kenntnis, dass die Weitergabe der Ämter an Familienmitglieder schon damals gang und gebe war.

Die Kapelle wurde 1860 durch Hugo von Ritgen (1811 – 1889) restauriert. Ritgen war der erste Professor für Architektur und Kunstgeschichte der Universität Gießen und gilt als der erste Denkmalpfleger Deutschlands. Er restaurierte auch die berühmte Wartburg und die nahe gelegene Burg Gleiberg. Sogar die Unterburg der Burg Staufenberg wurde 1858 unter seiner Leitung von Grund auf renoviert.
Der Grabstein Hugo von Ritgens befindet sich neben seinem Schwager Johann Bernhard Wilbrand. Dieser war an der Universität in Gießen ab 1833 einer der Dozenten von Georg Büchner und soll diesem später als Vorlage des skrupellosen Doktors in dem Drama Wozzeck gedient haben. Dies wurde allerdings von unserer Führerin nicht bestätigt.
Nicht uninteressant war auch ein Grabstein an der Außenmauer der Kapelle von Johann Bast (+ 1703), einem ehemaligen Scharfrichter, der später als Wundarzt arbeitete. Bis im Jahr 1824 fanden in Giessen öffentliche Hinrichtungen am Galgenberg statt. Dieser lag weit vor den Stadtgrenzen auf der Anhöhe in der heutigen Marburger Straße.

Unser Rundgang führte uns zu weiteren Grabstätten berühmter Persönlichkeiten. Zu nennen ist z. B. das Grabmal von Wilhelm Conrad Röntgen und die aufwändig gestalteten Grabmale der Familien Gail, die mit der ersten Zigarrenfabrik in Gießen große Bedeutung für die Wirtschaft der Region hatte.

Frau Klein machte uns auch auf das Grab der Tabakfabrikantenfamilie Spruck aufmerksam; dieses hatte im Oktober 2013 traurige Berühmtheit erlangt: Diebe hatten die Metalleinfassung der Grabstätte geklaut.

Unser Rundgang endete am jüdischen Gräberfeld, welches 1836 angelegt wurde. Die dauerhafte Totenruhe gilt als unantastbar und die Besucher legen statt Blumen in der Regel kleine graue Steine auf das Grab.

Hier verabschiedete sich die Führerin Dagmar Klein von unserer Gruppe und unser Vorsitzender Herwig Stein bedankte sich bei ihr für diesen informativen Nachmittag.

Fotos: Kulturring Allendorf (Lumda) e.V.

Die Fledermaus in Kassel

Am 13. April 2014 besuchten gut 40 Mitglieder des Kulturrings Allendorf/Lda. die Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss im Staatstheater Kassel.

Bevor wir unseren Zielort erreichten, machten wir eine kleine Kaffeepause auf einem Rastplatz nahe Baunatal. Einige Vorstandsfrauen hatten Kuchen gebacken und sogar schon portionsweise abgepackt. Busfahrer Martin verteilte professionell den guten Bohnenkaffee und so gestärkt kamen wir wenig später im Staatstheater an.
Wir hatten noch etwas Zeit bis zum Beginn der Aufführung, daher genehmigten wir uns ein Gläschen Sekt und flanierten mit den vornehmen und weniger vornehmen Besuchern im modernen Foyer des Theaters umher.

Pünktlich um 16.00 Uhr begann die Operette mit einer schmissigen Ouvertüre.
„Die Fledermaus“ ist bis heute die populärste Operette von Johann Strauss und das wohl am meisten gespielte Werk des Genres überhaupt. Dieses Meisterwerk des Wiener Walzerkönigs voller bekannter Melodien, wie »Oje, oje, wie rührt mich dies«, »Trinke, Liebchen, trinke schnell«, »Mein Herr Marquis«, »Ich lade gern mir Gäste ein« oder »Brüderlein und Schwesterlein« hat bald nach der Uraufführung  am 5. April 1874  die Bühnen der Welt erobert.

Die etwas verworrene Handlung gründet sich auf die „Rache einer Fledermaus“, der das Werk den Titel verdankt. Verwirrung stiftet  die Intrige des gedemütigten Dr. Falke, der einst in einem Fledermauskostüm dem Spott der Kleinstadtgesellschaft ausgesetzt war und jetzt seine Chance nutzt, um sich an seinem ›guten Freund‹, dem Lebemann Gabriel von Eisenstein, zu rächen. Und so werden die Kammerzofe als Schauspielerin, die Gattin als ungarische Gräfin und Eisenstein selbst als französischer Marquis maskiert und auf den Ball des Prinzen Orlofsky geschickt.

Damit aber die aristokratische Ordnung nicht aus den Fugen gerät, behilft man sich gegenseitig mit der größtmöglichen Milde: Man verzeiht einander, schwört sich erneute, diesmal aber ewige Treue und versucht es noch einmal miteinander. Und schuld war eh` nur der Champagner….

***

Nach dieser gelungen Vorstellung fuhren wir in traditionsreiche „Brauhaus Knallhütte“ in Baunatal zum Abendessen. Recht zügig wurde uns dann auch das vorbestellte Essen serviert, so dass  wir wie geplant um 21.00 Uhr die Heimreise antreten konnten.

Am Ende des Tages waren wieder alle der Meinung: das war wieder ein erfolgreicher und erlebnisreicher Tag.

Fotos: Gisela Schmiedel (Bild 1-3) und Nils Klinger (Bild 4-7)