Theater

Carmen im Staatstheater Wiesbaden

Oper von Georges Bizet. Austausch-Gastspiel des Staatstheaters Darmstadt im Staatstheater Wiesbaden. In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Carmen Staatstheater Wiesbaden

Unsere Fahrt im Juli 2017 führte uns ins Staatstheater Wiesbaden zur Aufführung der Oper CARMEN von Georges Bizet. Kaum hatten wir die Teilnehmer alle eingesammelt und richtig „Fahrt aufgenommen“ als uns der Busfahrer mitteilte, dass die Autobahn gesperrt sei und wir über Butzbach fahren würden. Dort sah es dann auch nicht viel besser aus und es war kaum damit zu rechnen, dass wir noch pünktlich zu Beginn der Oper um 19.30 Uhr da sein würden. Wir hatten uns bereits damit abgefunden, dass wir auf unser Abendessen verzichten mussten, sollten wir den 1. Akt der Oper auch noch verpassen? Doch dann ging es endlich wieder zügig weiter. Ein Dank gebührt unserem Busfahrer, er fuhr wie ein junger Gott, (natürlich unter Beachtung aller Geschwindigkeitsregeln) – wir kamen tatsächlich eine Minute vor Beginn der Oper im Staatstheater ein. Wir stürzten sofort aus dem Bus und 49 Opernfans nahmen unter den unwilligen Blicken des anwesenden Publikums ihre Plätze ein. Das Spiel konnte beginnen!

Auf der offenen Bühne lümmelten sich Bühnenarbeiter in Alltagskleidung – so dachte wohl manch einer. Aber nein, es war der Chor, der später in ähnlich fragwürdiger Montur als Zigeuner- und Schmugglerbande und auch als Soldaten fungierte. (Die über 1000 Zuschauer im ausverkauften Staatstheater waren sowieso besser gekleidet als die Akteure!)

Das Drama um Liebe und Macht spielt im südspanischen Sevilla. Die Zigeunerin Carmen, die in einer Zigarettenfabrik arbeitet, ist berüchtigt für ihre Unberechenbarkeit. Nach einem Streit mit einer anderen Arbeiterin, die sie verletzt, wird sie in Arrest genommen. Der Soldat Don José, der sie unter Aufsicht halten soll, verliebt sich in sie und lässt sie entkommen in der Hoffnung, ihr Herz zu gewinnen. Doch diese Hoffnung ist trügerisch. Carmen wirft ein Auge auf den Stierkämpfer Escamillo und wird Don Josés und seiner Eifersucht überdrüssig. Verzweifelt versucht Don José sie zurück zu gewinnen. Als sie sich weigert, ersticht er sie auf offener Straße.

Eine Inszenierung vor karger Kulisse: sie bestand lediglich aus ein paar Stühlen mit denen anscheinend Räume markiert wurden. Auch einige weitere Regieeinfälle erschlossen sich uns nicht, so war uns nicht klar, warum sich Carmen wiederholt über Jeans und weiße Bluse ihr schwarz-rotes Rüschenkleid an- und auszog. Ein bisschen mehr spanisches Flair hätte der Inszenierung auch nicht geschadet.

Doch die spannende, dramatische Handlung, die eindringliche und temperamentvolle Musik sowie die hervorragende Stimmen entschädigten uns für das wenig ansprechende Bühnenbild und es gab zum Schluss reichlich und verdient Beifall für die Akteure.

„Carmen“ ist eine der am häufigsten gespielten Opern. Dies ist nicht verwunderlich, sind doch einige Arien zu richtigen Gassenhauern geworden: die „Habanera“ der Carmen, die „Blumenarie“ von Don Jose und nicht zuletzt das Auftrittslied des Stierkämpfers Escamillo „Auf in den Kampf, Torero!“

Fotos: Kulturring Allendorf, Privat

Boys, Boys, Boys – Die SCHMACHTIGALLEN landen einen Hit

Als letzte Vorstellung der Theatersaison 2016/2017 im Stadttheater Gießen sahen wir am Freitag den 21.04.2017 das Musikstück mit dem Sängerquartett DIE SCHMACHTIGALLEN. Sie präsentieren alle zwei Jahre ihr A-capella-Programm. DIE SCHMACHTIGALLEN, das sind: Jan Hoffmann – langjähriger Chordirektor und Kapellmeister am Stadttheater Gießen, sowie Martin Ludwig, Roland Furch und Severin Geissler. Alle vier haben sich während des Musikstudiums an der Mainzer Hochschule kennengelernt. Zum ersten Mal ist mit der in Gießen geborenen Musicalsängerin Julia Lißel auch eine Sängerin mit an Bord.

Dieses Jahr waren die Schmachtigallen als Triller-Boy´s auf der Suche nach einem Hit, davon erzählte der neueste Cup des Quartetts. Erstmals wurde eine komplette Geschichte erzählt mit einem bunten Mix aus verschiedenen Stilrichtungen und Jahrzehnte. In unterschiedlichen und phanstasievollen Kostümen brachten sie die Zuschauer als Wildecker Herzbuben, Heino oder Udo Lindenberg zum Lachen. Trotz allem wollte ihnen für den dringend benötigten Kassenschlager nichts einfallen, bis sie die Sängerin Joana (Julia Lißel) kennen lernten, die ihnen letztendlich zum Erfolg verhilft.
Fotos: Rolf K. Wegst, Stadttheater ‚Gießen

Stadttheater Giessen. Die SCHMACHTIGALLEN in SPIEL DES LEBENS (UA), Buch und Regie von Henry Arnold, Premiere 18.10.2014, Bühne und Kostüme: Thomas Döll, Dramaturgie: Cornelia von Schwerin, Buch und Regie: Henry Arnold, Manni: Jan Hoffmann, Kelle: Roland Furch, Zocki: Severin Geissler, Gernot: Martin Ludwig, Lou: Marie-Louise Gutteck, Luc: Sebastian Songin, Foto: Rolf K. Wegst, Nutzungsrechte beim Urheber Nutzungshonorar zzgl. 7% MwSt.

Supergute Tage oder
Die sonderbare Welt des Christopher Boone

Foto: Stadttheater Gießen, mit freundlicher Genehmigung von Rolf K. Wegst.

Am Freitag, den 17.03.2017 sahen wir im Gießener Stadttheater „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ nach dem Roman von Mark Haddon. Abdul M. Kunze, zuständig für Kinder- und Jugendtheater hat die Bühnenfassung dieses Romans mit großem Erfolg inszeniert. Das zeigte sicht auch daran, dass das Theater wieder rappelvoll war.

Wir bekamen einen Einblick in das Leben eines autistischen Jungen, der aus seiner fest gefügten kleinen Welt ausbricht, um den Mörder eines Hundes zu finden. Es begann mit einer komplizierten Abfolge von Klatschen, Schnipsen und Stampfen, was wir uns zunächst nicht erklären konnten. Dann stellte sich heraus, dass dieser sich öfters wiederholende Rhythmus Christopher zu beruhigen schien, wenn die jeweilige Situation ihn überforderte. Er weiß zwar alles über Mathematik und Physik, aber Unordnung, Überraschungen und fremde Menschen versetzen ihn leicht in Panik.

Mutig bricht er auf der Suche nach dem Hundemörder aus seiner kleinen Welt auf und beginnt eine spannende Reise, die sein bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellt. Dabei muss er lernen, was es heißt, in der komplizierten Welt der Erwachsenen zu leben. Seine Lehrerin Siobhan tritt als Erzählerin auf und ließ uns so an seiner komplizierten Gedankenwelt teilhaben. Sie ermutigt ihn, ein Buch über seine Suche zu schreiben und half ihm in schwierigen Situationen.

Als am Ende Christopher seine Abiturprüfung in Mathe abgelegt hat und mit neuem Selbstvertrauen »Ich kann alles« sagt, dann war das für ihn ein superguter Tag. Schließlich stellt er fest, dass man alles schaffen kann, wenn man nur an sich glaubt und – er will sogar studieren. In Gießen.

Das Bühnenbild war recht spartanisch. Farbige Koffer in unterschiedlicher Größe symbolisierten Wohnung, Garten, Bahnhof, U-Bahn und Schule.

In der Gießener Allgemeinen Zeitung war über den Hauptdarsteller zu lesen: „Maximilian Schmidt spielt Christopher Boone auf sehr anrührende Weise, macht ihn zum Sympathieträger. Ihm gelingt es, das nerdige Verhalten des Jungen, der zwar in Mathe ein Genie ist, aber kaum in der Lage ist, Gefühle zu deuten, auf eher zurückhaltende Art zu zeigen. Mit starrem Gesichtsausdruck, hölzernen Bewegungen und unemotionalem Ton charakterisiert er Christopher vortrefflich, ohne ihn zum Freak zu machen. Zu Recht gibt es dafür am Ende vom Publikum auch lautstarken Applaus“.

Maximilian Schmidt hatten wir bereits als jungen Grenzgänger im „Weibsteufel“ gesehen.

GS

Fotos: Stadttheater Gießen, mit freundlicher Genehmigung von Rolf K. Wegst.

„Dolce“ in Bad Nauheim

Foto: Gisela Schmiedel

Besuch des Kulturrings des Neujahrsvarietes im „DOLCE“ in Bad Nauheim am Dienstag, den 24.01.2017. Im Bad Nauheimer Kurpark befindet sich das Luxushotel „Dolce“. Schauplatz des Neujahrs-Varietés ist das historische Jugendstil-Theater mit 730 Sitzplätzen und 250 qm Bühne. Nachdem es im Jahr 1980 bis auf die Grundmauern abgebrannt war, wurde es im Jugendstilcharakter wieder aufgebaut. Seither gilt es als eines der schönsten hessischen Theater.

Da sich für diese Fahrt über 80 Mitglieder angemeldet hatten, mussten wir zum ersten Mal mit zwei Bussen der Firma Plus-Bus Tours zur Abendvorstellung anreisen. Der Run auf die Karten zeichnete sich schon bald nach der ersten Veröffentlichung des Theaterprogramms 2016/2017 im vorigen August ab: innerhalb von 4 Wochen waren die 45 bestellten Karten für das Variete ausverkauft, sodass noch einmal nachbestellt werden musste.

Dieses internationale Neujahrs-Varieté des Energieversorgers OVAG hat im „Dolce“ bereits Tradition: Zum 15. Mal hebt sich im Januar 2017 um 20.00 Uhr der Vorhang für einen einzigartige Mix aus atemberaubender Akrobatik und fantastischen Shows. 45 Artisten aus 12 Nationen bringen die Theater-Besucher zum Staunen, Bangen und Lachen. Nur die besten Künstler werden verpflichtet und die Show ist jeweils lange vorher ausgebucht.

Was uns dort geboten wurde, war ein Highlight der Extraklasse. Solch sensationelle Aufführungen kennt man meist nur aus dem Fernsehen. Uns stockte so manches Mal der Atem bei den tollkühnen Sprüngen und Saltos.  

Viele der Künstler sind bereits beim berühmten Zirkusfestival in Monaco aufgetreten sowie  im größten Zirkus der Welt Barnum and Bailey. Die drei Stunden Weltklasse-Varieté vergingen wie im Flug, so kurzweilig erschien es uns.  Durch das Programm führten die CHICKS ON SWING, drei junge Damen, die uns auch mit Gesangs- und Tanzeinlagen unterhielten.

Zu Beginn der Vorstellung zeigten 8 junge Männer, das ungarische FACE-TEAM, eine artistische Basketball-Leistung, die olympiareif ist. In einem Affenzahn katapultieren sie sich mittels eines Trampolins in die Luft und versenkten den Ball im Korb. Seit ihrem Sieg in der englischen Fernseh-Show „Britain´s Got Talent“ –  dem Pendant zum „Supertalent“ von RTL –  gehören sie zur Weltspitze.

Der Comedy-Jongleur  STEVE ELEKY aus Ungarn gab im ersten Teil im Schottenrock eine Jongleur-Nummer mit skurrilen Witzen zum Besten gibt. Später betrat er als Zauberer die Bühne, der – sich halb totlachend – den Zuschauern seine Zaubertricks verträt. Auch wir mussten uns so manche Lachträne aus den Augen wischen. Steve Eleky vertritt an 4 Tagen im Januar den  weltberühmten Clown, Magier und Comedian Housch-ma-Housch aus der Ukraine.

Eine der wenigen deutschen Künstler war der Einradartist TONY FARELLO aus Berlin. Er zeigte eine rasante Einradshow. Seine ebenfalls Einrad fahrende  Partnerin Frau Schmidt aus Radebeul  war anscheinend erkrankt, so agierte als „ Beischläfer“ die Putzfrau aus der Uckermark.

Die BIANCA FARLA´s SHOWGIRLS OF MAGIC  zeigten erstaunliche Tricks – vor unseren Augen verschwanden die Frauen ins Nichts. Dem Frauen-Quartett aus den Niederlanden wurden von dem  Magier David Copperfield Aufführungsrechte für einige seiner Illusionsnummern eingeräumt.

Danach folgte der Ausnahmeartist  ENCHO KERYAZOV. Der Bulgare machte u.a. einen Handstand auf 2 dünnen Metallstangen, die auf einer Reihe von wackligen Backsteinen auf seinem Showtisch standen,  bevor er mit einem Salto wieder auf die Bühne sprang.

Hoch hinaus ging es mit den 10 rumänischen Artisten der TROUPE FANTASY. Sie zeigten spektakuläre Sprünge vom Schleuderbrett aus. Wir hielten den Atem an, als sie fast bis an die Decke katapultiert wurden. Nach  Schrauben und Überschlägen landen sie dann wieder auf den Schultern der Fänger.

Die zierliche Italienerin SHIRKLEY LARIBLE zeigte eine Übung, die viel Kraft kostete. An zwei langen Bändern schwebte sie elegant in die Höhe und zeigte verschiedene Figuren. Sie dreht sich ein, lässt sich fallen und hangelt sich wieder hoch.  Die Luftakrobatin hat Engagements im Zirkus Roncalli und im Zirkus Knie.

Nach der Pause ging es weiter mit der waghalsigen Show des DUO`s VANEGAS aus Kolumbien.  Scheinbar mühelos sprangen und liefen  die Artisten auf einem sich drehenden „Todesrad“ in  12 Metern Höhe. Die hohen Absprünge und scheinbaren Beinahestürze sorgten bei den Zuschauern für Nervenkitzel.

Den nächsten Auftritt hatten die GIANG BROTHERS aus Vietnam. Atemlose Stille herrschte, als die beiden Brüder Kopf-auf-Kopf vorwärts und rückwärts einige Treppenstufen zum Showtisch emporstiegen. Sie haben es ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft, als sie vor einer spanischen Kathedrale Kopf auf Kopf 99 Stufen innerhalb von 52 Sekunden hinaufgestiegen sind.  

Das TRIO BELLISSIMO  – Schlangenmenschen. Drei anmutige junge Frauen aus Kiew formten mit ihren Körper immer wieder neue menschliche Skulpturen, so dass man allein vom Zuschauen schon Schmerzen bekam. Mit Eleganz und Grazie bewegen sich die drei so anmutig und verbiegen dabei ihre Körper, als ob sie Knochen aus Gummi hätten.

Großes Erstaunen löste auch das DUO URUNOV aus Russland aus. Wie von Zauberhand wechselte die Dame in sekundenschnelle ihre Kleider. Von einer Sekunde auf die nächste steht sie im neuen Dress da, und sorgte so im Publikum für ungläubige Blicke. Wir waren verblüfft – wie kann das sein?! Ihre Tochter LAURA URUNOVA beeindruckte mit einer Hundedressur: Pudel unterschiedlicher Größe brachten mit ihren Tricks die Zuschauer zum Schmunzeln.

Aus Ecuador kamen die 4 CEDENOS. Sie  zeigten eine der schwierigsten artistischen Disziplinen überhaupt, indem sie sich gegenseitig durch die Luft wirbeln. Dem Publikum stockt kurz der Atem, als einer der Cedeños-Brüder stürzt – doch alles gut, es ist nichts passiert,  wobei das auch durchaus gewollt sein kann. Als ob es nicht Nervenkitzel genug gäbe!

Der chinesische Artist KAI CAO  jonglierte mit unglaublicher Geschwindigkeit mit seinen Bällen. Während er dazu auch noch treppauf  und treppab steppte, jonglierte er mit den Bällen auf dem Boden, dabei nahm die Anzahl der Bälle ständig zu, genauso wie die Geschwindigkeit.

Am Ende gab es lang anhaltenden Beifall und stehende Ovationen, als sich die Künstler alle noch einmal vor dem begeisterten Publikum verneigten.

Übrigens:
Das Hotel „Dolce” wird zu “Conparc Hotel & Conference Centre Bad Nauheim” umbenannt. Aufgrund komplizierter Eigentümerverhältnisse und Rechtsbeziehungen darf der Name „Dolce“ ab 2017 nicht mehr verwendet werden. Die Wyndham-Worldwide-Hotel Group aus den USA, zu der das „Dolce“ gehört, hatte diesen Markennamen erworben und nun weiterverkauft. Es ist also nicht das Hotel verkauft worden sondern nur der Markenname „Dolce“. Ob dieser Name bald durch »Wyndham« ersetzt wird, ist noch nicht entschieden. Die Wyndham-Worldwide-Hotelgruppe zählt mit  ihren rund 6500 Hotels weltweit zu den größten Hotelkonzernen der Welt, darunter auch die Ramada-Hotels.

Fotos: Gisela Schmiedel

Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach

Foto: (gemeinfrei) Johann Sebastian Bach

Überpünktlich trafen wir am Mittwoch, den 7. Dez. 2016 in der katholischen Kirche St. Walpurgis ein. Während wir noch einige Minuten in dem kalten Vorraum der Kirche ausharren mussten, konnten wir den Dirigenten Jan Hoffmann beobachten, der noch letzten Schliff an Chor und Orchester legte.

Eine freundliche Mitarbeiterin der Wetzlarer Singakademie hatte für die fast 50 Mitglieder des Kulturrings die vorderen Bänke reserviert.  Das Weihnachtsoratorium ist ein sechsteiliges Oratorium für Solisten, gemischten Chor und Orchester. Das gesamte Werk kommt selten zur Aufführung, sondern hauptsächlich die ersten drei Kantaten, die Bach für die Weihnachtsgottesdienste komponiert hat.

„Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage“, mit Pauken und Trompeten begann das bekannte Chorwerk. Die Verkündigung der Weihnachtsgeschichte wurde uns in feierlichen Chorälen und Arien zu Gehör gebracht. Unter der musikalischen Gesamtleitung von Jan Hoffmann spielte das Philharmonische Orchester des Stadttheaters Gießen. Im Mittelpunkt stand ein Riesenchor – bestehend aus dem Chor des Stadttheaters, dem Gießener Konzertverein sowie der Wetzlarer Singakademie.  Nicht wenige der Choräle kamen uns bekannt vor: Johann Sebastian Bach greift in seinem Oratorium auf Texte und Kompositionen von Paul Gerhard und auf  Martin Luther zurück.

Die Solisten waren der Bassbariton Simon Bailey, Ensemblemitglied der Oper Frankfurt und Gastsänger an der Mailänder Scala, Naroa Intxausti, die bis zur vorigen Spielzeit dem Gießener Ensemble angehörte, sowie die beiden neuen Sänger am Stadttheater Clemens Kerschbaumer und Maria Seidler.

Das Publikum war begeistert, es erlebte eine Sternstunde der Kirchenmusik. Nach dem letzten Takt des Weihnachtsoratoriums verklungen war, standen die Besucher in der vollbesetzten Kirche auf und spendeten Chor, Orchester und Solisten lang anhaltenden Beifall.

Romulus der Große

Romulus der Große

Romulus der Große

Am Samstag, den 19.11.2016 sahen wir eine wahrhaft unhistorische Komödie von Friedrich Dürrenmatt. Da thronte Kaiser Romulus meist auf seiner Hühnerleiter und interessierte sich nur für die Legegewohnheiten seiner kaiserlichen Hühner. Eingehende Meldungen über den Einmarsch der Germanen oder dem drohenden Staatsbankrott interessierten ihn nicht. Er sehnte sich vielmehr danach, die grausame Vergangenheit seines Imperiums hinter sich zu lassen und lässt die verzweifelten Appelle seiner Getreuen, den Germanen Einhalt zu gebieten, unbeachtet.

Seine Tochter Rhea will sogar ihren Geliebten verlassen um den reichen Hosenfabrikanten Cäsar Rupf – unschwer als Donald Trump zu erkennen – heiraten, damit dieser mit seinen Millionen das Reich retten kann. Doch Romulus weicht nicht von seinem Verständnis für Gerechtigkeit ab, der findet die Liebe zu einem Menschen sei wichtiger als die Liebe zum Vaterland.

Nachdem der erste Akt ziemlich schrill und voller Klamauk war, wurde im zweiten Akt verständlich, um was es Kaiser Romulus letztendlich ging. Durch sein politisches Nichtstun will er „dem blutigen und mörderischen Imperium“ ein Ende bereiten. „Rom kannte die Menschlichkeit, aber es wählte die Tyrannei« war einer von vielen Sätzen die zum Nachdenken anregten.

Aber die Rechnung des Kaisers geht nicht auf: Als die Germanen schließlich ankommen, muss er einsehen, dass der Germanenfürst Odoaker ein ebenso kriegsmüder Herrscher ist wie er: „Heldentum langweilt mich zum Tode“. Und nicht nur das, den beiden gemeinsam ist auch noch das Hobby „Hühnerzucht“. Zu guter letzt führt Odoaker auch noch dem staunenden Romulus die neueste Mode der Germanen, die Hose samt Hosenträgern, vor. Romulus’ Plan zur Vernichtung des Imperiums scheitert, er wird in Pension geschickt.

Neben dem Erfolgsstück „Besuch der alten Dame“ von Dürrenmatt ist „Romulus der Große“ eher weniger bekannt. Zu Unrecht, finden sowohl Dramaturgin Cornelia von Schwerin als auch die Gastregisseurin Astrid Jacob, die als ehemalige Kabarettistin der Lach- und Schießgesellschaft auch schon für die „Die Schmachtigallen“ die Revuen COMEDIAN HARMONISTS, MANNSBILDER und FRAUENFLÜSTERER inszenierte.

Fotos: Rolf K. Wegst, mit freundlicher Genehmigung des Stadttheaters Gießen

Spielzeit des Stadttheaters Gießen 2016/2017

Samstag, 19.11.2016  –  Romulus der Große, eine „unhistorische“ Komödie von
Friedrich Dürrenmatt, Stadttheater Gießen

Staat bankrott, Regierung untätig: Mit Sprachwitz und scharfer Zunge beschreibt Friedrich Dürrenmatt den Ausverkauf des römischen Weltreichs, an dessen Spitze Kaiser Romulus steht, der lieber Hühner züchtet, als sich dem Einfall der Germanen entgegenzustellen.

Mittwoch, 07.12.2016 –   Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach
Mit Solisten des Stadttheaters Gießen, Chor und Extrachor des Stadttheaters Gießen,
Gießener Konzertverein, Wetzlarer Singakademie.

Dienstag 24.01.2017, 20.00 Uhr –   Neujahrsvariete im Theater Dolce, Bad Nauheim
Als eines der schönsten Theater Hessens präsentiert sich das Theater Dolce in Bad Nauheim.
48 Artisten aus 13 Nationen bringen die Besucher mit atemberaubender Akrobatik und mitreißender Unterhaltung zum Staunen, Bangen und Lachen.

Samstag, 11.02.2017 –  La Traviata, Oper von Giuseppe Verdi, Stadttheater Gießen
Verdis große Oper nach dem Roman „Die Kameliendame“ von Alexander Dumas gehört
zu den erfolgreichsten Opern der Musikgeschichte.
Erzählt wird die tragische Geschichte der Kurtisane Violetta Valéry, die zur Liebenden
wird und aus Liebe auf ihr Glück verzichtet

Freitag, 17.3.2017 –  Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone.
Schauspiel nach dem Roman von Mark Haddon, Stadttheater Gießen

Christopher Boone, der Held dieses Romans, ist eigentlich zwanghaft menschenscheu und sondert sich in seiner kleinen Welt ab. Als der Pudel in Nachbars Garten mit einer Mistgabel umgebracht wird, sucht Christopher wie einst sein Vorbild Sherlock Holmes den Täter. Und löst nebenbei auch das Rätsel um seine jung verstorbene Mutter.

Freitag, 21.4.2017 –   Boys, Boys, Boys – Die SCHMACHTIGALLEN landen eine Hit, Stadttheater Gießen
Die „Triller-Boys“ wollen an alte Erfolge anknüpfen und brauchen einen Hit. Auf der Suche danach begegnen sie u.a. den Wildecker Herzbuben, Heino, Udo Lindenberg. Eine fremde Frau unter der Dusche ist letztendlich der Schlüssel zum Erfolg.


Nachdem in den vergangenen Jahren der Schwerpunkt eher auf dem Musiktheater gelegen hatte, haben wir in diesem Jahr zwei Schauspiele in unser Programm aufgenommen.

Wir sind guten „Muths“, wieder eine abwechslungsreiche Auswahl getroffen zu haben.

Werden Sie Mitglied im Kulturring Allendorf/Lda. bei einem Jahresbeitrag von nur 3 €

Sollten Sie an unserem Angebot Interesse haben, bitten wir um baldige Anmeldung, da für einige Stücke bereits nur noch wenige Karten zur Verfügung stehen.

Ihre Anmeldung nimmt gerne entgegen:
Frau Johanna Muth
35469 Allendorf/Lda.
06407/7429

Alle Vorstellungen in Gießen beginnen um 19.30 Uhr

Präsentation der Spielzeit des Stadttheaters Gießen 2016/2017

Das Podium

Das Podium

Wie in jedem Jahr wurde der Kulturring auch dieses Mal zu Beginn der Spielzeit von der Intendantin des Stadttheaters Gießen Catherine Miville zur Präsentation der Theatersaison 2016/2017 in die „taT-Studiobühne“ eingeladen.

Neben den fünf „Theaterfrauen“ des Kulturrings Allendorf nahmen noch einige wenige andere Personen dran teil.

Auf dem Podium saßen:
Catherine Miville, Intendantin
Sarah Adamus, Assistentin der Intendantin
Guido Hackhausen, Künstlerischer Betriebsdirektor /Musikdramaturg
Cornelia von Schwerin, Dramaturgin Schauspiel
Abdul-M.Kunze, Leiter des Kinder- und Jugendtheaters, Regisseur
Tarek Assam, Ballettdirektor und Chefchoreograph
Ingo Greb, Leiter Theaterkasse
Angelika Hufnagl, Theaterkasse

Kurzweilig und informativ stellten Guido Hackhausen, Cornelia von Schwerin, Abdul-M. Kunze und Tarek Assam die jeweiligen Darbietungen vor.

Wir hatten uns ja im Vorfeld bereits über die geplanten Aufführungen informiert, waren aber noch zu keinem Entschluss gekommen. Die vielen meist unbekannten oder auch teils inhaltsschweren Stücke schienen meist nicht nach unserem Geschmack zu sein. Dies erwies sich jedoch glücklicherweise als nicht zutreffend – im Gegenteil. Die vielseitigen Darbietungen wurden anschaulich dargestellt und weckten somit unser Interesse. Letztendlich fiel es uns sogar schwer, aus dem vielfältigen Angebot einige wenige Stücke auszuwählen.
Nach der Präsentation stärkten wir uns zunächst einmal mit den angebotenen Canapés und Käsehäppchen.

Im Anschluss daran hatten wir Gelegenheit, der Generalprobe von Felix Mendelssohn-Bartholdys kolossalem Oratorium ELIAS zuzuhören.
Unter der musikalischen Gesamtleitung von Jan Hoffmann musizierten neben vier hochkarätigen SolistInnen – Haussopranistin Naroa Intxausti, Simon Bailey (Mailänder Scala, Frankfurter Oper) in der Titelrolle des Elias, sowie Stefanie Schaefer (Staatsoper Stuttgart, Badisches Staatstheater Karlsruhe) und Markus Schäfer (Hamburgische Staatsoper, Deutsche Oper am Rhein) auch ein 56 InstrumentalistInnen starkes Orchester. Diese musizieren gemeinsam mit einem 200-köpfigen Chor, der sich aus dem Giessener Konzertverein, der Wetzlarer und der Frankfurter Singakademie sowie dem Chor und dem Kinder- und Jugendchor des Stadttheaters zusammensetzt.
Wir waren überwältigt von diesem fast dreistündigen Chorwerk. Phänomenal!

Bitte beachten Sie die jeweiligen „Blättchen“ – demnächst werden wir das Theaterprogramm veröffentlichen und um Ihre Anmeldung bitten.

Maria Magdalena – Hallenberg

Die letzte Fahrt von unserem diesjährigen Sommerprogramm führte uns nach Hallenberg. Wir waren zeitig da und konnten uns so auf die Vorstellung einstellen. Zum 70jährigen Jubiläum der dortigen Freilichtbühne stand eine Welturaufführung auf dem Programm:

„Maria Magdalena“
Musical von Birgit Simmler (Idee, Buch) und Paul Graham Brown (Musik)
In der Bibel gilt Maria Magdalena als Begleiterin und Vertraute Jesu. In dem Musical wird Maria Magdalena als starke Frau dargestellt, welche die dramatischen Ereignisse um die Entstehung des jungen Christentums mitgestaltet und miterlebt. Die Verzweiflung der Jünger nach der Kreuzigung Jesu steht zunächst im Mittelpunkt und es ist Maria Magdalena, die alles zusammenhält und nicht aufgibt.
Die ausgezeichneten Laienschauspieler brachten uns das anspruchsvolle Stück nachvollziehbar nahe.

Wir alle waren am Ende der Vorstellung begeistert von dieser grandiose Aufführung. Das engagierte Ensemble, die neben ihren schweren Rollen auch noch ein umgangreiches Gesangsprogramm zu bewältigen hatten, hatte das Publikum restlos begeistert. Dies zeigte auch der riesige Schlussapplaus am Ende der Vorstellung.

Anschließend standen die Schauspieler in ihren historischen Kostümen für das Publikum noch zu Gesprächen zur Verfügung.
Wir strebten jedoch zum Ausgang, da wir – wie immer nach einem Besuch in Hallenberg – zum gemeinsamen Abendessen ins nahe gelegene Gasthaus „Zum wilden Zimmermann einkehrten.

Der Medicus im Schlosstheater Fulda

„Der Medicus“ Musical nach dem Weltbestseller von Noah Gordon, Musik und Texte von Dennis Martin.

Am Freitag, den 22. Juli 2016 besuchten über 40 Mitglieder des Kulturrings „Den Medicus“ im Schlosstheater Fulda. Diese überwältigende Vorstellung übertraf alle Erwartungen. Den Verantwortlichen ist es gelungen, in knapp drei Stunden Spielzeit so viele Details wie möglich aus der umfangreichen Romanvorlage von Noah Gordon unterzubringen. Rasch wechselnde Kulissen und blitzartige Umbauarbeiten machten es möglich, auf kleinem Raum die ganze Welt des Medicus auf seiner Reise aus dem mittelalterlichen England ins persische Isfahan zu präsentieren.

Der bei der Premiere am 18.06.2016 anwesende Michael Gordon, Sohn des Autors, soll gesagt haben, die Aufführung habe ihn sehr ergriffen. Das ging uns allen natürlich nicht anders. Die Darsteller lieferten eine gewaltige Leistung ab: Friedrich Rau als Medicus, der fast immer auf der Bühne präsent war, Sabrina Weckerlin als Mary Cullen, sie hatten wir schon als „Päpstin“ in Fulda gesehen, sowie der österreichische Opernsänger Reinhard Brussmann als Ibn Sina. Andreas Wolfram als Karim – der spätere Schah – spielte jahrelang eine Hauptrolle in „Starlight Express“ in Bochum.

Beeindruckt zeigten wir uns auch von dem Tanzensembles: in wechselnden farbenprächtigen Kostümen sorgten sie für zahlreiche rasante Tanzeinlagen. Neben den aufregenden Massenszenen trafen auch die emotionalen Balladen („Ich muss es tun“, „Verlier den Glauben nicht“) genau ins Schwarze.

Am Schluss gab es stehende Ovationen, Beifall, der nicht enden wollte und natürlich einige Zugaben, ohne die das Publikum die Darsteller nicht von der Bühne ließ. Die Leistung des spielfreudigen Ensembles war wirklich hervorragend, da gab es so manche Gänsehauteffekte.

Am Ende waren wir uns alle einig: es war sooo schön !

Im Jahr 1999 wurde das Buch „Der Medicus“ von Noah Gordon zu einem der zehn beliebtesten Bücher aller Zeiten gekürt.

IMG_20160722_160457-1 Theaterkasse