Theater

Die weiße Dame

Stadttheater1

Am 5. Mai 2016 besuchte der Kulturring Allendorf e.V. „Die weiße Dame“ im Stadttheater Gießen, eine Oper von François-Adrien Boieldieu.

Das  Stadttheater Giessen ist seit einigen Jahren bekannt dafür, fast vergessene Werke mit beachtlichem Erfolg auf die Bühne zu bringen. So z.B. „Lo Schiavo“ von Carlos Gomes, und „ Linda di Chamounix“ von Gaetano Donizetti. Wir haben beide Werke in den letzten Jahren gesehen und sind nicht enttäuscht worden. So haben wir es auch in diesem Jahr wieder gewagt, eine völlig unbekannte Oper in unser Programm aufzunehmen: Die weiße Dame von François-Adrien Boieldieu – in die deutsche Sprache übersetzt von dem Regisseur Dominik Wilgenbus. Leider waren die Texte akustisch nicht besonders gut zu verstehen. Aber uns wurde bald klar, um was es ging:

Der Offizier George Brown platzt in die Tauffeierlichkeiten beim schottischen Pächter Dikson und seiner Frau Jenny und erfährt, dass Dikson einst von der „weißen Dame“, die auf dem nahen Schloss von Avenel umhergeistern soll, Geld bekam und dafür versprochen hat, der „weißen Dame“, wenn die Zeit gekommen ist, zu Diensten zu sein. Als ein Brief eintrifft, der an dieses Versprechen erinnert, bekommt es der Pächter mit der Angst zu tun und George Brown macht sich an seiner Stelle auf den Weg ins Schloss. Dort hat der Gutsverwalter Gaveston das Anwesen bewusst herunter gewirtschaftet, um es in einer Versteigerung günstig in seinen Besitz zu bringen. Sein Mündel Anna hat sich vor kurzem in George Brown verliebt, der nicht weiß, dass er der rechtmäßige Erbe des Schlosses Avenel ist. Auf Anweisung der weißen Dame ersteigert er das Schloss, obwohl er völlig mittellos ist. Anna, die den Ahnenschatz der Avenels verwaltete,  tritt als „weiße Dame“ auf und enthüllt Georges Identität. Ende gut, alles gut.

Diese – doch etwas abstruse –  Geschichte wurde von den Akteuren in ihren knallbunten Kostümen mit viel Witz und großer Spielfreude dargestellt.  Es stimmte wieder alles: großartige Stimmen, allen voran der aus Wien stammende Tenor Clemens Kerschbaumer in der Rolle des Offiziers George sowie die spanische Sopranistin mit dem unaussprechlichen Namen Naroa Intxausti, die bereits seit 4 Jahren zum Gießener Ensemble gehört. Und natürlich die die temperamentvolle schmissige Musik des Komponisten François-Adrien Boieldieu.

Bei dieser temporeichen und witzigen Inszenierung vergingen die 170 Spielminuten wie im  Flug.

Fotos: mit freundlicher Genehmigung des Stadttheaters Gießen

Im weißen Rössl – Stadttheater Gießen

Weisse Rössl3„Im weißen Rössl“ Operette von Ralph Benatzky im Stadttheater Gießen am Sonntag,  20. März 2016

Nachdem endlich wieder einmal eine Operette auf dem Spielplan des Stadttheaters Gießen stand, war der Run auf die Karten natürlich groß. So mussten wir zum ersten Mal zwei Busse einsetzen, die uns nach Gießen ins Theater brachten. Gespielt wurde die im Jahr 2009 in einem Archiv in Zagreb zufällig wieder aufgefundenen Originalfassung. Diese Urfassung aus der Weimarer Republik ist um einiges schwungvoller als die biedere Nachkriegsversion. Oft wird diese Revue-Operette auch als Vorläufer des deutschen Musicals gewertet.

„Im Salzkammergut, da ka’ mer gut lustig sein“, so lautet der berühmte Ohrwurm aus dem „Weißen Rössl“. Und lustig war es allemal, als wir am Sonntagmittag diese Operette besuchten. Wir haben uns köstlich amüsiert. Alle Schauspieler agierten mit viel Witz und Spielfreude, allen voran Pascal Thomas als Sigismund Sülzheimer. In der Rolle des liebestollen Zahlkellners Leopold brillierte Haus-Bariton Tomi Wendt, der seine komödiantischen Qualitäten schon oft unter Beweiß gestellt hat. In der Filmversion von
1960, die uns noch gut in Erinnerung ist, hatte damals Peter Alexander diese Rolle verkörpert.

Neben bekannten Walzermelodien hörten wir Saxofone und sogar einen Zitherspieler agierte im alpenländischen Outfit. Schwingende Tanzeinlagen durch die Tanzcompagnie sowie die schmissige Sangeseinlagen der Schauspieler, Sänger und des Chors machten diese Aufführung für uns zu einem Augen- und Ohrenschmaus.

Und wenn sich nach etlichen Irrungen und Wirrungen am Ende alle amourösen und sonstigen Verstrickungen in Wohlgefallen auflösen, bleiben uns die unsterblichen Melodien vom Weißen Rössl noch lange im Ohr – darunter solche Welthits wie „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“,  „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“,  „Die ganze Welt ist himmelblau“ und viele andere auch.
Am Ende der Vorstellung sah man noch  überall lachende Gesichter.

Fotos mit freundlicher Genehmigung des Stadttheaters Gießen

Marionettentheater Schartenhof

Nachdem unser erster Besuch im Marionettentheater Schartenhof in Biedenkopf-Eckelshausen im November 2014 großen Anklang gefunden hatte, besuchten gut 30 Mitglieder des Kulturrings eine weitere Oper als Puppenspiel.  Zur Aufführung kam am 07. Februar 2016  die romantische Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber.

„Der über 300 Jahre alte Schartenhof in Biedenkopf- Eckelshausen gehört zu den historisch bedeutsamen Fachwerkbauten der Region Marburg – Biedenkopf in Hessen. Einst als bäuerliches Anwesen genutzt ist er nach intensiver Sanierung nunmehr durch die Initiative der bildenden Künstlerin Annemarie Gottfried neuen Aufgaben zugeführt worden: er ist heute ein Zentrum der Kreativität und beheimatet Kunst, Kultur und Musik. Er ist die Geburtsstätte des internationalen Musikfestivals der Eckelshausener Musiktage. Hier begegnen sich bildende Künstler, Musiker, Schauspieler, Schriftsteller und Publikum und schreiben gemeinsam seine Geschichte weiter. Die kulturpolitische Arbeit Schartenhof gehört zu den wichtigen Akzenten des sanften Tourismus im oberen Lahntal Ein vielseitiges kulturelles Programm lockt Besucher aus dem In – und Ausland.“

So ist es zu lesen auf der Webseite von Biedenkopf: www.biedenkopf-tourismus.de

1997 wurde das Marionettentheater Schartenhof von den Eckelshausener Musiktagen e.V. ins Leben gerufen und hat bereits eine beachtliche Erfolgsgeschichte aufzuweisen: 10 Opern gehören bereits zum festen Repertoire. Auch im benachbarten Ausland werden seit einigen Jahren Gastspiele gegeben.

Uns erwarteten  Marionetten mit farbenprächtigen Kostümen und ein herrliches Bühnenbild. Die in Handarbeit gefertigten Puppen wurden mit viel Liebe zum Detail von der inzwischen über 90jährigen Annemarie Gottfried-Frost gestaltet, die das Marionettentheater gründete. Gesungen und gesprochen wird aus dem Jenseits: Die Sänger der 1968 in München entstanden Aufführung sind nicht mehr am Leben: Birgit Nilsson (Agathe), Erika Köth (Ännchen), Nicolai Gedda (Max), Walter Berry (Kaspar) und Franz Crass als Eremit.

Das kleine Marionettentheater in einer umgebauten romantischen Scheune hat nur 60 Sitzplätze und man konnte uns auch nur 24 Karten zur Verfügung stellen.

Und am Ende war man sich einig: es war wieder wunderschön!

Achtung Oma

Das Kikeriki-Theater war zu Gast in Garbenteich. Am 20. November 2015 wurde „Achtung Oma – Kasperletheater mit Omaschutz-Programm“ gespielt.

Die Comedy Hall und das Kikeriki Theater waren in Pohlheim-Garbenteich am 20. und 21. November 2015 und wir waren dabei, dank unseres Vorsitzenden Herwig Stein, der seine guten Beziehungen ins Spiel gebracht hat. Die von ihm georderten 40 Karten waren auch gleich vergriffen nach der Veröffentlichung des Jahresprogramms in den Mitteilungsblättern Anfang dieses Jahres.

Die Comedy Hall in Darmstadt ist die feste Spielstätte des Kikeriki-Theaters. Seit der Eröffnung am 1. März 1996 haben in mehr als 5.500 ausverkauften Vorstellungen bereits über 1.700.000 Zuschauer das komödiantische Theater mit Puppen und Menschen erlebt.

Mit schwarzem Humor inszenieren die Akteure Stücke, die sich mit den kleinen Problemen, Tücken und Schwächen des Alltags auseinandersetzen.

Ei gude wie ? Im scheenste Dammstädter Dialekt babbele die, wie dene de Schnawwel gewachse iß,  alldieweil  Dammstadt doch  eumaalisch iss. Un mooomendemaa, was hawwe die`n  schon all geschbielt ? Soll ich’s eich verkliggern? Ausser „Achtung Oma“ hawwe se de „Deppenkaiser“, „Siegfrieds Nibelungenentzündung“ un de „Doktor Goggolores“ geschbielt. Un allsemol schbiele se aach “Himmel, Arsch und Zwirn”. Da kenne die nix!

Ein Puppenspiel, nun wollen wir Euch zeigen,
ein Kasperstück, das sich um Oma dreht
und um den ewig gleichen Lebensreigen,
dass Alt und Jung oft schlecht zusammen geht.

In diesem, von den Komödianten zu Beginn der Aufführung gesungenen Vers, liegt die Intention des Stückes: der ewig menschliche „Generationskonflikt“. Doch keine Angst, es wird noch nicht einmal im Ansatz versucht, diesen „Konflikt“ zu lösen. Es ist lediglich die Lust der Komödianten, völlig absurd und respektlos damit umzugehen. Und da man sich doch oft die Frage stellt, ob die ganze Welt letztendlich nicht auch nur ein großes „Kaspertheater“ ist, sind die grotesken „Holzköpfe“ – als dreidimensionale Karikaturen – hierfür auch die wirklich idealen Darsteller.

So ist es zu lesen auf der Homepage des Veranstalters: www.kultur-in-mittelhessen.de

Uns hat`s gefallen – wenn`s auch manchmal ein bisschen derb war !

Eugen Onegin

Am Sonntag,  den  18. Okt. 2015  besuchten wir die erste Vorstellung der Theatersaison 2015/2016. Eugen Onegin, Oper von Peter Iljitsch Tschaikowski nach dem gleichnamigen Roman von Alexander Puschkin.

Nach der Premiere hatte sich die örtliche Presse ja nicht gerade überschlagen vor Begeisterung wegen der modernen Inszenierung von  „Eugen Onegin“. Und so sahen wir teils skeptisch, teils gespannt dieser Aufführung im Giessener Stadttheater  entgegen. Eine einfache Liebesgeschichte wird dank Tschaikowskys gefühlvoller Musik zum großen Drama:

Im Mittelpunkt des Poems steht Eugen Onegin, ein junger Dandy aus Petersburg, der durch Erbschaft zum Gutsbesitzer wird und von der Hauptstadt aufs Land zieht. Hier führt ihn Lenski, ein gefühlvoller Gutsbesitzer, in das Haus der Larins ein, in dem zwei Töchter, Olga und Tatjana, leben. Olga ist die Braut von Lenski, Tatjana verliebt sich in Eugen, gesteht ihm in einem Brief ihre Liebe. Da sich Eugen, wie er bekennt, wenig für die Ehe und das Familienleben eignet, weist er blasiert Tatjanas Liebe zurück. An Tatjanas Namenstag tanzt Eugen nur mit Olga, so dass ihn Lenski zum Duell fordert, in dessen Verlauf Eugen seinen Freund Lenski tötet. Darauf verlässt er das Gut. Nach Jahren trifft Eugen, inzwischen älter und reifer geworden, in Petersburg Tatjana, die inzwischen Frau eines Generals geworden ist. Er begehrt sie, sie weist ihn zurück; denn, obwohl sie noch Eugen liebt, will sie ihrem Mann die Treue halten.

Gewöhnungsbedürftig war tatsächlich das Regiekonzept – es laufen gleichzeitig zwei Handlungen ab: zum einen die Oper selbst und zum anderen dreht Onegin im Rückblick seinen eigenen Lebensfilm und wuselt daher als Regisseur mit seinem Team ständig auf der Bühne umher.

Tatjana Miyus, Sopranistin aus der Ukraine in der Rolle der schüchternen Tatjana hat uns am besten gefallen. Sie bekam am Ende auch den meisten Applaus. Und auch die deutsche Altistin Ortrun Wenkel in der Rolle der Amme Filipjewna lieferte im Alter von 73 Jahren noch eine beachtliche Leistung. Sie wurde bereits 1976 von Wolfgang Wagner nach Bayreuth  geholt und bekam für ihre Darstellung der „Erda“ in der „Götterdämmerung“ den Grammy.

Auch alle anderen gaben Akteure gaben ihr bestes – immerhin wurde auf russisch gesungen, was sicher eine große Herausforderung war. Glücklicherweise wurde die Vorstellung für die Zuschauer in deutscher Sprache übertitelt!

Fazit: Trotz einiger wunderlicher Regieeinfälle war es im großen und ganzen eine stimmige Inszenierung. Es hätte schlimmer kommen können!

Pjotr Iljitsch Tschaikowski schrieb übrigens mit „Schwanensee“ und „Der Nussknacker“   die beiden berühmtesten Ballette der Musikgeschichte.

 

Duellszene, gemeinfrei Eugen Onegin- Lensky und Tatjana.Foto gemeinfrei

Der Bettelstudent

Operette in 3 Akten von Carl Millöcker in der Stiftsruine Bad Hersfeld am 7. August 2015

Zu unserer diesjährigen Fahrt nach Bad Hersfeld hatten sich wieder zahlreiche Mitglieder angemeldet.
Carl Millöckers Operette „Bettelstudent“ eroberte schon gleich nach der Uraufführung am 6. Dezember 1882 im Theater an der Wien die Bühnen der Welt.

Kurzinhalt:
Ein Kuss auf die Schulter – ein Schlag ins Gesicht. Mit ihrem Fächer hat die schöne polnische Komtesse Laura die Avancen des sächsischen Gouverneurs von Krakau, Oberst Ollendorf, vor aller Öffentlichkeit quittiert. Das muss gerächt werden! Ollendorf entlässt aus seinem Gefängnis den Bettelstudenten Symon, der als millionenschwerer Fürst Wybicki um Laura werben soll und den politischen Häftling Jan, den er zum Sekretär des vermeintlichen Fürsten macht. Nach der Hochzeit soll der ganze Schwindel auffliegen und die Gräfin Nowalska mit ihren beiden Töchtern Laura und Bronislawa zum allgemeinen Gespött gemacht werden.

Ollendorfs Racheplan scheint aufzugehen. Jedoch auch Symon und Jan haben sich in die beiden Mädchen verliebt und meinen es ernst. Während Symon darüber nachdenkt, wie er Laura seine wahre Identität gestehen kann, ohne ihre Liebe zu verlieren, nutzt Jan die etwas unübersichtliche Lage, um Polen von der Herrschaft der Sachsen zu befreien. Am Ende kündigt Kanonendonner den Sieg der Freiheit und der Liebe an. Während sich Laura und Symon, sowie Jan und Bronislawa glücklich in die Arme schließen, hat Oberst Ollendorf ausgespielt.

Unvergängliche Hits wie „Ach ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst“ „Schwamm drüber“ oder „Ich knüpfte manche zarte Bande“ stehen für eine der bis heute populärsten Operetten überhaupt.

Erfrischend und mitreißend  wurde diese Operette von den Bad Hersfelder Opernfestspielen in Szene gesetzt. Als Oberst Ollendorf, Gouverneur von Krakau, konnten wir den Starbassisten Gunther Emmerlich erleben. Besonders ansehnlich waren auch die stilvollen historischen Kostüme  und so gab es am Ende für diese sehenswerte Aufführung natürlich starken Beifall.

Linda die Chamounix

Das Stadttheater Gießen  geht bei der Gestaltung der Opernsparte einen Weg, der von vielen anderen kleineren Theatern für zu riskant gehalten wird, und hat damit Erfolg: mindestens die Hälfte der Produktionen sind Raritäten, Ausgrabungen oder moderne Opern und das Gießener Theater hat dadurch bundesweit anerkennendes Aufsehen erregt.

So wurde der Kulturring Allendorf/Lda. eigens zu einer Einführungsveranstaltung für  die ebenfalls unbekannte Oper „Linda die Chamounix“ von Gaetano Donizetti eingeladen. Um 18.45 Uhr wurden wir bereits von Christian Schröder erwartet, der auch für die Dramaturgie der Oper verantwortlich war.  Herr Schröder studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Romanistik und ist seit Beginn der Spielzeit 2012/13 Dramaturg für Musiktheater am Stadttheater Gießen.

Endlose Stufen führten uns zur Probebühne in der gegenüberliegenden Bezirkssparkasse. Dort machte uns Christian Schröder auf die Besonderheiten der selten aufgeführten Belcanto-Oper aufmerksam.  Belcanto heißt „Schöner Gesang“  und bezeichnet in der Musik die Gesangstechnik, die in Italien zu Beginn des 17. Jahrhunderts  entstand. Und von dem schönen Gesang der Mitwirkenden konnten wir uns anschließend überzeugen, allen voran die Sopranistin aus dem baskischen Bilbao mit dem unaussprechlichen Namen Naroa Intxausti in der Titelrolle der „Linda“. Ebenso beeindruckend waren auch Chor- und Extrachor des Stadttheaters, ergänzt vom Kinder- und Jugendchor.

Kurzinhalt:
Linda, ein armes Mädchen aus den französischen Bergen, liebt den Maler Carlo, der aber in Wirklichkeit der Sohn einer Marquise ist. Dessen Onkel möchte sie verführen und bietet deshalb den in finanzieller Not befindlichen Eltern des Mädchens Geld dafür, dass er sie als Dienstmädchen mit nach Paris nehmen darf. Der Präfekt des Ortes erkennt dies und überzeugt den Vater, die Tochter stattdessen mit den anderen Kindern des Ortes als „Saisonarbeiter“ in die Großstadt zu schicken, um einer „Entehrung“ zu umgehen. In Paris offenbart Carlo Linda gegenüber seine Herkunft und bringt sie in einer feinen Wohnung unter. Seine Mutter hat in Kenntnis dessen eine Hochzeit mit einer standesgemäßen Braut anberaumt. Lindas Vater erkennt beim Besuch von Carlos Wohnung die Tochter erst nicht – und verstößt sie dann, da er der Ansicht ist, sie habe sich verkauft. Als Linda darüber hinaus von der bevorstehenden Vermählung Carlos erfährt, wird sie wahnsinnig. Im Heimatdorf bedauern alle Lindas Schicksal, von der der Wahn bei Carlos Erscheinen – der natürlich in letzter Sekunde dann doch nicht geheiratet hat – abfällt. Die Verliebten fallen sich in die Arme und träumen von einer sorgenfreien Zukunft.

Der Zuschauersaal des Theaters war bis unter die oberen Ränge voll besetzt bei dieser letzten Vorstellung. Die Kulisse schien, ebenso wie Lindas Welt, etwas in Schieflage geraten zu sein: Der erste Akte spielte in einem asymmetrischen kirchenähnlichen Wohnzimmer, der zweite Akte dann in einer noblen Pariser Wohnung, ehe man im letzten Aufzug wieder das Haus sah, in dem nun alles aus den Fugen geraten war. Warum allerdings Linda ab und zu in einem Schrank verschwand, erschloss sich uns leider nicht.

Nach der fast dreistündigen Aufführung wurden alle Beteiligten mit nicht enden wollendem Applaus belohnt. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass es sich durchaus lohnt, auch selten gespielte Stücke in das „Repertoire“ des Kulturrings aufzunehmen. So haben wir in der Vergangenheit schon die meist unbekannten Opern „Lo Schiavo“ von Carlos Gomes und „La Favorita“ – ebenfalls von Gaetano Donizetti –  gesehen und waren von den gezeigten Aufführungen immer hellauf begeistert.

Auch in der Saison 2015/2016 des Stadttheaters Gießen stehen wieder überwiegend
unbekannte Werke auf dem Spielplan. Nicht zuletzt aus diesem Grund planen wir unter anderem wieder eine Fahrt in das Staatstheater Kassel sowie einen Besuch in ein weiteres Theater unserer Region und hoffen, mit der Auswahl der Stücke den Geschmack unserer Mitglieder treffen zu können.

Frau Müller muss weg

Schauspiel von Lutz Hübner

Wieder eine gelungen Vorstellung im Stadttheater Gießen: die Komödie über einen Elternabend am Samstag, den 14. März 2015.

Im zweiten Halbjahr der 4b soll über die schulische Zukunft der Kinder entschieden werden. Da nun das Zeugnis naht, welches über die Art der weiterführenden Schule entscheidet, sind viele Eltern besorgt, weil sich die Noten ihrer Sprösslinge verschlechtert haben. Klar ist den Müttern und Vätern, dass nur die Lehrkraft Schuld haben muss. Warum sonst sollte das Gymnasium ausgerechnet für das eigene Kind nicht möglich sein?

Sie entschließen sich auf dem Elternabend dafür zu sorgen, dass die Klassenlehrerin – Frau Müller – die Klasse abgibt, da sie an ihren pädagogischen Fähigkeiten zweifeln.  Doch Frau Müller wehrt sich und die Eltern rasten aus.

In dieser hysterisch aufgeladenen Situation verschaffen sich die Eltern heimlich Klarheit über die Noten ihrer Kinder: in einer kurzen Abwesenheit von Frau Müller durchstöbern sie das Notenbuch. Und siehe da, die Noten sind gut, das Gymnasium wird erreicht werden. Frau Müller wird rehabilitiert, die Eltern versöhnen sich. Aber es gibt noch eine überraschende Schlusspointe: Das durchstöberte Notenbuch war leider das vom vergangenen Jahr. Lange Gesichter. Ende.

In Gießen inszenierte die Intendantin Cathérine Miville das Stück, gleichzeitig lief im Kinocenter der gleiche Film  unter der Regie von Sönke Wortmann. Glaubt man dem Giessener Anzeiger, schießt das Theater bei diesem Wettstreit in Gießen den Vogel ab.

Es ist aber auch immer wieder eine Freude, das spielfreudige Ensemble des Giessener Theaters zu erleben. Allen voran Carolin Weber, die als Grundschullehrerin Sabine Müller wieder eine beachtliche Leistung zeigte.

Der Kuss der Spinnenfrau

Gut besetzt war der Bus wieder einmal, der uns zum Musical „Der Kuss der Spinnenfrau“ in das Stadttheater Gießen brachte. Trotz anfänglicher Bedenken wegen des evtl. heiklen Inhalts hatten wir dieses Musical noch nachträglich in das Theaterprogramm 2014/2015 aufgenommen. Nicht zuletzt deshalb, weil uns die beiden Hauptakteure Sophie Berner (in einer Doppelrolle als Spinnenfrau und Aurora) und Andrea M. Pagani schon in „Cabaret“ und „I wanna by loved by you“ begeistert hatten. Dennoch keine leichte Kost – die Themen, die auf der Bühne dargestellt werden, sind ernst und  aktuell.

Im dunklen Theater leuchtet ein riesiges blaues Spinnennetz auf der Bühne, eine fahrbare kleine Gefängniszelle und bewegliche Gitterwände bildeten die weitere Kulisse. Erzählt wird die tragische Geschichte der beiden Gefängnisinsassen Valentin und Molina. Zwei vollkommen unterschiedliche Männer treffen im Folter-Gefängnis eines totalitären Staates aufeinander: Der linke Aktivist Valentin wird gezielt in die Zelle von dem weibischen Molina gesperrt. Man erhofft sich davon, dass dieser den Neuankömmling aushorcht. Aus Valentíns anfänglicher Abneigung gegen den für ihn fremdartigen Zellengengenossen entwickelt sich gegenseitiges Interesse aneinander und Zuneigung, nicht zuletzt weil Molina sich in die Fantasiewelt der Filme flüchten kann, um  das unerträglich harte Gefängnisleben zu ertragen.

Neben der düsteren Gefängnisatmosphäre entführten uns die Tagträume von Molina in die  bunte Welt der Filme. Kontrastprogramm waren traumhafte Musikfilm-Szenen und temperamentvolle Revue-Auftritte. Aurora ist der große Star der von Molina so verehrten Filme, aber auch die Spinnenfrau, deren Kuss den Tod bringt. Die Spinnenfrau repräsentierte den Tod der Insassen in diesem Foltergefängnis, dem letztlich auch Molina zum Opfer fällt.

Ein großes Spinnennetz  bildet mitsamt der vom Schnürboden herabschwebenden Spinnenfrau Sophie Berner einer der Höhepunkt des Abends. Stimmgewaltig sang sie das „Lied der Spinnenfrau“. Die  hochstehenden Fasanenfedern an ihrem schwarzen Leder-Nieten-Kostüm standen ab wie Spinnenarme so sah sie einer Spinne im Netz entsprechend ähnlich.

Catherine Mivilles Inszenierung wartet mit viel  Personal auf, darunter Chor und Akteure der Tanzcompagnie, die uns alle begeisterten. Alles in allem war die Vorstellung ein Fest für Augen und Ohren und die Akteure wurden mit lang anhaltendem Beifall belohnt.

Der Weibsteufel

Erstmals besuchten ca. 40 Mitglieder des Kulturrings Allendorf/Lda. am 01.02.1015 die neue Studiobühne des Stadttheaters Gießen taT. Die neue Bühne befindet sich im Erdgeschoss des Großkinos Kinopolis und ersetzt ab der Spielzeit 2014/2015 die alte Bühne im TiL (Theater im Löbershof), welche für die Bedürfnisse des Stadttheaters nicht mehr ausreichte.

Der Schmuggler mit seinem „Weibsteufel“ wohnte hoch oben in den Tiroler Bergen und aufschauen mussten die Zuschauer allemal: Mitten im Raum stand ein hohes quadratisches Podest, welches an allen vier Seiten von den Zuschauerreihen umsäumt wird. Man hatte somit das Gefühl, einem Ringkampf zuzusehen. Und ein Kampf war es allemal: ein unerbittlich geführten Machtkampfes zwischen zwei Männern und einer Frau – im alpinen Dialekt.

Carolin Weber spielte überzeugend eine Frau, die zunächst von den Männern benutzt wird und sie dann gnadenlos gegeneinander ausspielt… und somit zum „Weibsteufel“ wird. Heutzutage sagt man „Femme fatale“ dazu.

Roman Kurz, den wir schon mehrfach in Gießen gesehen haben, u. a. als Othello und Prof. Higgins in „My fair Lady“ überzeugte erneut durch seine intensive Darstellung des Schmugglers, der mit Schlauheit und Skrupellosigkeit seine Ziele erreichen will.

Bis zum tödlichen Ende des Dramas war es totenstill im Zuschauerraum und gespannt folgten wir den Vorgängen auf der Bühne. Am Ende ist einer tot, der andere kommt insGefängnis, und die Frau erbt das Haus am Markt.

Überraschend schnell war das Stück zu Ende – und auch noch früher wie vom Theater angegeben. Daher nutzten wir die Gelegenheit bis zur Abfahrt des Busses, um im schönen neuen Foyer des Theaters das ein edles Getränk zu uns zu nehmen.

Schö woars, dös muss mer scho sog`n. Fei sakrisch guat g´spült homs olleweil, s´woar groad e Freid zum Zuschaugn.